Moosbrugger? Mosbrugger?
Es war einer der wunderbaren Tage am Bodensee. Meine Frau und ich meinten, ein Kurzurlaub wäre genau das Richtige – und so stiegen wir in Bregenz auf das Schiff der Vorarlberg Lines, um über alle Stationen am deutschen Ufer nach Konstanz zu fahren. Vier Stunden auf dem See, vier Stunden Schönheit, soweit das Auge reicht. Erholung pur, Entschleunigung pur, erholtes Ankommen am “Urlaubsort”, fünf Minuten zum Hotel, dann Stadt Konstanz. Wir lieben Konstanz, die perfekte Größe einer Stadt, nicht zu klein, nicht zu groß, belebte Straßen durch Tourismus, gute Buchhandlungen auch dank einer international angesehenen Universität (in der trotz der Nähe kaum Studentinnen und Studenten aus Vorarlberg anzutreffen sind), nicht zuletzt gute Lokale.
Wenn ich in Konstanz bin, schaue ich immer auch im Rosgartenmuseum, dem städtischen Museum, in dem immer wieder interessante Sonderausstellungen zu sehen sind, vorbei. So auch diesmal – und ich stoppte meinen Schritt schon vor dem Museum, denn ein großes Plakat kündigte “Die Mosbruggers – Eine Künstlerfamilie am Bodensee” an. Ich hatte richtig gelesen: “Mosbrugger”, nicht das bei uns gewohnte “Moosbrugger”, obwohl die angekündigte Familie aus dem Bregenzerwald stammte. Mein Interesse war geweckt – und wurde nicht enttäuscht. Auch die Mosbrugger, die im Museum ausgestellt waren, entstammten der großen Sippe der Moosbrugger aus Au, in deren Reihen beispielsweise auch der berühmte Barockbaumeister Caspar Moosbrugger, Bruder in Einsiedeln und Architekt des dortigen Klosters mit Abteikirche, zu finden ist. Die Malerfamilie der Mosbrugger mit vor allem drei Vertretern, nämlich Wendelin (1760–1849) mit seinen Söhnen Friedrich (1804 bis 1830) und Joseph (1810–1869), lebte schon nach der Barockzeit, in der die Vorfahren bekannt wurden.
Es ist höchst spannend, diesen drei Malern zu folgen. Wendelin, geboren in Au-Rehmen, ging zur Ausbildung nach Konstanz und tat sich vor allem als Porträtmaler hervor – auch in den damals höchsten Kreisen. Er porträtierte König Friedrich I. von Württemberg, der ihn dann auch zum Königlichen Porträt-Hofmaler beförderte. Friedrich, Sohn des Wendelin aus zweiter Ehe, studierte an der Akademie der bildenden Künste in München, war ein bekannter Landschaftsmaler und zeigt sich in der Ausstellung vor allem mit beeindruckenden Bildern seiner Italienreise, wo er auch engen Kontakt mit Joseph Anton Koch, einem bekannten Nazarenermaler, unterhielt. Friedrich starb kurz nach seiner Rückkehr mit 26 Jahren. Sein Bruder Joseph mied die akademische Ausbildung, arbeitete vor allem im Selbststudium und wurde zu einem anerkannten Landschaftsmaler der Region, nicht zuletzt mit Bildern vom Bodensee. All diese hier kurz vermerkten künstlerischen Stationen vertieft die Ausstellung (noch geöffnet bis 10. Jänner 2027) im Rosgartenmuseum auf höchst spannende Art, erweitert zudem den Rahmen durch klug gewählte weitere Informationen. Vor allem bringt sie einen neuen Blick auf die Moosbrugger bzw. Mosbrugger aus dem Bregenzerwald. Ein Besuch lohnt sehr – und es fährt jeden Tag ein Schiff nach Konstanz.
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