Farbe, Raster, offener Rahmen

Das (Kunst)Haus 2226 in Lustenau zeigt einen Werkquerschnitt von Franz Türtscher.
Lustenau Es ist eine Auswahl, die der Künstler selbst getroffen hat: Ab 17. September zeigt das (Kunst)Haus 2226 im Lustenauer Millenniumpark unter dem Titel „Option” einen umfangreichen Werkquerschnitt von Franz Türtscher. Der 1953 in Dornbirn geborene, in Wien lebende und arbeitende Künstler bespielt die hochräumigen Säle des von BE Architekten errichteten Hauses bis Ende Februar 2027.

Türtscher untersucht in seinem Schaffen das Spannungsfeld zwischen strenger geometrischer Ordnung und spielerischer Abweichung. Geprägt hat ihn das Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien bei Oswald Oberhuber, dem Vordenker der „permanenten Veränderung”. Basiselemente seiner visuellen Sprache sind Linien und Liniensysteme, die sich zu Rastern und Rasterstrukturen erweitern und neue Bild- und Objekträume erschließen. Mit Bild-Flächen, Bild-Körpern und Bild-Modulen schafft er eine Art Baukasten: Einzelne Elemente lassen sich stets zu neuen „Optionen” kombinieren. Diese offenen Systeme changieren zwischen Intuition und kalkulierter Konstruktion und umfassen die Fläche ebenso wie den objekthaften Raum. Farbe, Schrift und offene Rahmen sind dabei die zentralen Mittel.
Malerei als System
Hier setzt Türtschers Auffassung der „erweiterten Malerei” an. Malerei ist für ihn kein statisches Abbild auf zweidimensionaler Leinwand, sondern ein prozesshaftes, raumgreifendes System. Er bricht die klassischen Grenzen des Bildraums auf, indem er Farbe und Form als eigenständige, modulare Komponenten begreift. Durch präzise gesetzte Farbakkorde, Rhythmen und bewusste Dissonanzen wird das starre Gitter destabilisiert, die Malerei verlässt den traditionellen Rahmen und dehnt sich in die Dreidimensionalität aus.

Schlüsselarbeiten der Lustenauer Schau sind Beispiele der Serie „Offener Rahmen”, die der Künstler früher als „Bildarchitekturen” bezeichnete. Ihnen ist sein gesamtes Programm eingeschrieben: Farbe, Form, Material, Bild, Objekt, Raum und Umraum. Es handelt sich um Aluminiumkonstruktionen, in denen geometrische, farbige Elemente zu reliefartigen Objekten gebündelt werden und deren Rahmen nach oben hin offen sind. Ein offener Rahmen suggeriert etwas Prozesshaftes, etwas nicht Festgeschriebenes. Er stellt das klassische Tafelbild infrage und appelliert an mögliche Veränderungen.
Kontraste und Raster
Bei den Farbstreifenbildern, die Türtscher „Kontraste” nennt, geht es um die reine Farbe: reine und schmutzige Farben, Harmonien und Disharmonien, einander gepaart und gegenübergestellt – Farbe als Abschrift des Lebens. Die Rasterbilder basieren auf den existenziellen Koordinaten von Senkrechte und Waagrechte. Geometrische Fragmente und Linienstrukturen setzt der Künstler wie Module ein, minimale Verschiebungen brechen die Monotonie auf. Innerhalb der Gitterstrukturen entfaltet die Farbe eine eigenständige Kraft: Sie gliedert, rhythmisiert und versetzt das statische System in eine fließende Bewegung.

In den Schriftbildern erweitert Türtscher das Raster um eine semantische Dimension. Text dient nicht primär als Informationsträger, sondern als visueller und struktureller Baustein. Durch das Übereinanderstellen und Zusammenschieben von Worten und Zeilen entstehen dichte, fast serielle Muster, in denen die Lesbarkeit zugunsten der visuellen Rhythmik zurücktritt. Anders als im abstrakten Raster schwingt hier stets eine zweite Bedeutungsebene mit.

Zur Eröffnung am 17. September um 18 Uhr führt Nina Fritsch ein Dialoggespräch mit dem Künstler.
Factbox
Franz Türtscher: „Option”
BE Haus 2226, Millennium Park 20/20a, 6890 Lustenau
17.9.2026 bis Ende Februar 2027
Eröffnung: 17.9., 18 Uhr
Mo–Fr 8–17 Uhr