Wo der Zufall mitmalt

Kultur / 18.09.2026 • 13:48 Uhr
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Auch diese beiden neuen Collagen von Evelyne M. Fricker sind in der Ausstellung vertreten.Evelyne M. Fricker

Evelyne M. Fricker und Angelika Egg laden in der Villa Claudia zu einer „Symphonie der Farben“.

FELDKIRCH Seit einem halben Jahrhundert sind sie befreundet, nun stellen sie gemeinsam aus: Unter dem Titel „Symphonie der Farben – Eine Entdeckungsreise“ zeigen Evelyne M. Fricker und Angelika Egg im Forum für aktuelle Kunst von KunstVorarlberg in der Feldkircher Villa Claudia ihre Arbeiten. Im Zentrum steht die Farbe und mit ihr die Frage, wie sich Emotionen, Fiktionen und Ideen in ganz unterschiedlichen Bildsprachen ausdrücken lassen. Die beiden Künstlerinnen nähern sich dem Thema auf Wegen, die kaum verschiedener sein könnten: Die eine sucht im Surrealismus den Zugang zu Traum und Erinnerung, die andere überlässt dem Zufall einen Teil der Regie. Dass daraus dennoch ein stimmiges Ganzes entstehen soll, deutet schon der musikalische Titel an.

Bild 1 - Arbeit zum Thema Aleatorik von Angelika Egg. Foto Egg .jpg
Eine Arbeit zum Thema Aleatorik von Angelika Egg. Angelika Egg

Gemeinsam ist beiden der Wunsch, das Publikum aus dem Gewohnten in Fantasiewelten, mystische Räume und vergangene Wirklichkeiten herauszuführen. „Durch die Abstrahierung unserer Realität entsteht eine Erweiterung und Bereicherung unseres Alltagsempfindens und unserer Wahrnehmungen“, sind Fricker und Egg überzeugt. Der Surrealismus gebe dem Unbewussten, den Träumen und spontanen Gedanken die Möglichkeit, Bild zu werden.

Schreine für Übersehene

Die 1957 in Feldkirch geborene Evelyne M. Fricker ist Textilkünstlerin und Geomantin – sie deutet die Energien von Orten. Sie variiert ein Grundmotiv in unterschiedlichen Ausgangsformen und dringt auf diese Weise tief in emotionale Schichten und verschüttete Erinnerungen vor. Besonders augenfällig sind ihre „modernen Reliquien“: Sie sind Persönlichkeiten gewidmet, die Fricker beeindruckt und inspiriert haben – darunter vielfach Frauen, die im Schatten berühmter Männer standen oder von ihrer Epoche an den Rand gedrängt wurden. „Sie erfahren bei mir wieder Beachtung und eine neue Wertschätzung“, sagt die Künstlerin. Dass es dabei nicht nur um Vergangenes geht, zeigen eingearbeitete Elemente der Gegenwart wie Sim-Karten oder sichtbar gewordene Geheimnisse. Präsentiert werden die Arbeiten in dreidimensionalen Rahmen, die ihnen einen schreinartigen Charakter verleihen.

Der Zufall als Mitspieler

Angelika Egg hat sich dagegen ganz der Aleatorik verschrieben, jenem künstlerischen Prinzip, bei dem der Zufall über den Schaffensprozess oder das Werk mitbestimmt. Ihr Konzept versteht sie nicht als starren Plan, sondern als Absicht, die offen bleibt für viele Möglichkeiten. „Farbe ist in diesem Konzept nicht nur Pigment, sondern eine energetische Kraft, die den Betrachter erreicht, bevor der Verstand eine Form kategorisieren kann“, erklärt Egg. Diese Magie nutze sie bewusst, um den rationalen Filter zu umgehen. Es gehe darum, Unsichtbares wie Stimmungen, Energien oder Impulse über das Sichtbare erfahrbar zu machen. Unterschiedliche Bildgründe und Malmaterialien – Öl, Acryl, Tempera, Kreide oder Tusche – eröffnen ihr dabei immer wieder neue Zugänge. Wo Fricker bewahrt und verdichtet, lässt Egg geschehen, gerade in diesem Gegenüber liegt der Reiz der Schau.

Zu sehen ist die Ausstellung bis 11. Oktober, jeweils von Freitag bis Sonntag.