Eine Komponistin tritt aus dem Schatten

Ethel Smyth, Johannes Brahms und Franz Schubert kombiniert mit Schauspielkunst.
Feldkirch Es war ein Abend über eine Frau, die sich nicht damit abfinden wollte, überhört zu werden. Vergangene Woche wurde in der Pforte Ethel Smyth hörbar gemacht: als Komponistin, als Kämpferin für das Frauenwahlrecht, als scharfsinnige Beobachterin ihrer Zeit und als Künstlerin, die sich in einer von Männern dominierten Musikwelt behaupten musste. Die schauspielerische Intervention von Anna Huberta Präg gab dem Konzert Richtung und Haltung.
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Den Auftakt machte ein kurzes Werk von Johannes Brahms, bevor Präg in die Rolle von Ethel Smyth schlüpfte und aus deren autobiografischen Schriften las. Zunächst ging es um Brahms, dem Smyth mit Bewunderung, Witz und eigenem Urteil begegnete. Weiter ging es mit ihrem Engagement für die Suffragettenbewegung und ihrer mehrmonatigen Haft im Londoner Frauengefängnis Holloway. Schließlich handelte es von den Schwierigkeiten von Frauen im Allgemeinen und über Smyths eigenen Erfahrungen in einer Welt männlicher Dominanz im Besonderen: in der Kunst, in der Gesellschaft und vor allem in der Komposition.
Präg gestaltete diese Texte mit ihrer ausgesprochen angenehmen, wohlmodulierten Stimme, mit großem Charme und feinem Humor. Sie vermied jede pathetische Überhöhung und brachte Ethel Smyth gerade dadurch nahe: als hochmusikalische, kluge, eigensinnige und selbstbewusste Persönlichkeit. Die Intervention wirkte nie wie ein pädagogischer Einschub, eher wie eine feine dramaturgische Setzung. Sie öffnete den Blick auf die Musik, ohne sich vor sie zu drängen.
Melodischer Einfallsreichtum
Nicht minder überzeugend gerieten die musikalischen Beiträge des Abends. Im Zentrum standen Ethel Smyths Streichquintett in E-Dur op. 1 und Franz Schuberts großes Quintett in C-Dur. Beril Cardas und Verena Sommer an den Violinen, Klaus Christa an der Viola sowie François Poly und Bjørg Lewis an den Violoncelli bildeten ein Ensemble, das mit hörbarer Aufmerksamkeit füreinander musizierte. Gerade in dieser Besetzung, mit zwei Celli, gewann der Klang eine warme, dunkle Grundierung, ohne schwer zu werden.
Smyths frühes Streichquintett zeigte eine Komponistin, die keineswegs nur als historische Randfigur interessiert. Das Werk besitzt Energie, formales Bewusstsein und melodischen Einfallsreichtum. Man hört zwar die Nähe zur romantischen Tradition, doch ebenso deutlich den Drang, sich darin eine eigene Sprache zu erobern. Das Ensemble arbeitete diese Spannung schön heraus: die kraftvollen Passagen mit Zugriff, die lyrischen Momente mit Gespür für Linie und Farbe. Besonders überzeugend war, dass Smyths Musik nicht als kulturhistorische Pflichtübung, vielmehr als eigenständiges, lebendiges Repertoire behandelt wurde.
Spannung und klangliche Balance
Nach diesem ersten Teil wirkte Schuberts C-Dur-Quintett wie eine Erweiterung des Abends in eine andere Tiefe. Das Ensemble nahm sich Zeit für die großen Atembögen, für das Leuchten der Oberstimmen und die dunklen Antworten der beiden Celli. Der berühmte langsame Satz entfaltete seine Wirkung nicht durch äußere Dramatik, sondern durch Ruhe, Spannung und klangliche Balance. Hier zeigte sich besonders die Qualität des Zusammenspiels: kein vordergründiges Ausstellen einzelner Stimmen, sondern ein gemeinsames Atmen.
So wurde der Abend in der Pforte zu mehr als einer reizvollen Verbindung von Text und Musik. Er erinnerte daran, dass Musikgeschichte nicht nur aus den Namen besteht, die ohnehin ständig gespielt werden. Ethel Smyth trat an diesem Abend als Komponistin mit eigener Stimme in erscheinung. Dass man diese Stimme hörte, lag an Anna Huberta Prägs kluger Präsenz und an einem Ensemble, das die Musik ernst nahm und ihr Raum gab.