Musik am Rand des Verstummens

Kultur / 04.10.2026 • 13:55 Uhr
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Schubertiade

Das Armida Quartett und die Cellistin Harriet Krijgh feierten eine Sternstunde der Kammermusik.

Hohenems Zwanzig Jahre spielt das Armida Quartett nun in unveränderter Besetzung zusammen, und das hört man in jedem Takt. Was Martin Funda, Johanna Staemmler, Teresa Schwamm-Biskamp und Peter-Philipp Staemmler am Samstag im Markus-Sittikus-Saal zeigten, war Kammermusik im eigentlichen Wortsinn: ein Gespräch unter Gleichberechtigten, in dem niemand das Wort an sich reißt und doch jeder etwas zu sagen hat.

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Schubertiade

Brahms’ Streichquartett B-Dur op. 67, das heiterste seiner drei Quartette, eröffnete den Abend mit Jagdrufen. Das Vivace federte, genüsslich kosteten die Armidas die metrischen Verschiebungen zwischen Sechsachtel- und Zweivierteltakt aus, ohne je ins Stolpern zu geraten. Im Andante entfaltete sich ein warmer, schlichter Gesang, getragen von einem Ensembleklang, der dicht ist, aber nie dick, und der auch im leisesten Piano seine Leuchtkraft behält. Der Höhepunkt gehörte jedoch der Bratsche: Im Agitato, in dem Brahms die drei anderen Instrumente mit Dämpfer spielen lässt, trat Teresa Schwamm-Biskamp mit dunkel glühendem Ton nach vorne, eine Liebeserklärung an ihr Instrument. Die Variationen des Finales gerieten zum kurzweiligen Kaleidoskop, bis das Jagdthema des Beginns augenzwinkernd zurückkehrt und den Kreis schließt.

Schuberts Streichquintett

Nach der Pause dann eines der größten Werke der Kammermusik überhaupt. Schubert schrieb sein Streichquintett C-Dur in seinen letzten Lebensmonaten, gehört hat er es nie. Mit der niederländischen Cellistin Harriet Krijgh fanden die Armidas eine Partnerin, die sich so nahtlos einfügte, als hätte sie immer schon dazugehört. Ihr Ton ist satt und doch biegsam, nie drängt sie sich vor, und gerade darin liegt ihre Stärke. Schon beim berühmten Seitenthema des Kopfsatzes, das die beiden Celli in Terzen anstimmen, verschmolzen Krijgh und Staemmler so innig, dass man nur noch eine einzige, singende Stimme zu hören meinte. Das Adagio wurde zum Zentrum des Abends. Die drei Mittelstimmen hielten ihren Choral in einem schier endlosen Pianissimo, darüber die Seufzer der ersten Geige, darunter das Pizzicato des zweiten Cellos, Musik am Rand des Verstummens. Umso erschütternder brach der f-Moll-Mittelteil herein, mit einer Wucht, die man fünf Streichern kaum zutraut. Als danach das E-Dur zurückkehrte, verwandelt durch die Erfahrung des Abgrunds, war im Saal kein Laut mehr zu hören.

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Das Presto stampfte mit geradezu bäuerlicher Kraft, das Trio dagegen schien in sich selbst zu versinken. Im Finale ließen die fünf den ungarischen Ton blitzen, mit Tempo, Biss und Witz, bis zum schroffen Schluss, in den sich ein grelles Des drängt – ein Ende, das verstört.

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Schubertiade

Bemerkenswert war, wie klar dieses Ensemble musiziert, ohne je kühl zu wirken. Martin Funda führt mit unaufdringlicher Autorität, Johanna Staemmler gestaltet die zweite Stimme mit eigenem Profil, und Peter-Philipp Staemmler legt ein Fundament von großer Geschmeidigkeit. Die Akustik des Markus-Sittikus-Saals, die jedes Detail hörbar macht, kam den Musikern dabei entgegen. Selten hat man Schuberts Quintett so transparent und zugleich so ergreifend erlebt. Am Ende langer, begeisterter Applaus und Standing Ovations.