Herbert Willi: Vertrauen ins Leben

Der Vorarlberger Komponist erzählt in seinem Buch von Krankheit und Heilung, von seinem Weg zur Musik und von kleinen Wundern.
Schwarzach „Ich habe immer gewusst, ich werde uralt.“ Wenn Herbert Willi diesen Satz sagt, klingt darin weniger Selbstgewissheit als eine Haltung an, die sich durch sein Leben zieht. Als junger Mann war der Montafoner Komponist schwer an Krebs erkrankt. Ärzte machten ihm wenig Hoffnung, er wurde als unheilbar entlassen. Willi überlebte. Heute, mit 70 Jahren, blickt er in seinem Buch auf ein Leben zurück, das ihn aus Vorarlberg in die großen Konzertsäle der Welt führte. Eine klassische Autobiografie wollte Willi lange nicht schreiben. Mehrfach war er darauf angesprochen worden, zweimal hatte er begonnen und wieder aufgehört. „Ich war noch zu jung“, sagt er. Nun sei vielleicht noch immer nicht der richtige Zeitpunkt, fügt er mit trockenem Humor hinzu, „aber jetzt bin ich noch klar im Kopf“.

Entstanden ist ein Buch, das weniger Bilanz ziehen als Mut machen möchte. „In dieser verrückten Welt ist für mich zentral, Hoffnung und Vertrauen ins Leben zu geben.“ Willis Biografie bildet dabei den roten Faden. Als 17-Jähriger verbrachte er einen Monat in England und kaufte sich auf der Rückreise von seinem letzten Geld eine Aufnahme von Bruckners Neunter. Einen Plattenspieler besaß er nicht. Musik aber war schon lange präsent. Sein Vater spielte mehrere Instrumente, Willi selbst hörte, sammelte und suchte, ohne zu ahnen, dass er einmal Komponist werden würde.

Überhaupt folgte sein Lebensweg keiner geplanten Karriere. Erst mit 25 Jahren begann er ein Studium. Ende der 1980er-Jahre setzte eine internationale Laufbahn ein. Der berühmte Dirigent Christoph von Dohnányi wurde 1991 auf ihn aufmerksam, Willi komponierte daraufhin für das Cleveland Orchestra, seine Werk erklang nicht nur bei den Salzburger Festspielen, sondern auch auf einer Amerika-Tournee unter anderem in der Carnegie Hall. Dort hörten Mitglieder der Wiener Philharmoniker eines seiner Werke. Als Willi von der Reise nach Hause kam, warteten zwei Nachrichten auf dem Anrufbeantworter. Die erste stammte von Alexander Pereira, damals Direktor des Opernhauses Zürich: Er wolle von ihm eine Oper. Die zweite kam von den Wiener Philharmonikern. Sie wollten Willi kennenlernen. Daraus entstand ein Auftrag zum 150-jährigen Bestehen des Orchesters. „Als ich die Philharmoniker das erste Mal gehört habe, haben sie mein Stück gespielt“, erinnert sich Willi. Für ihn ist auch das eines jener „kleinen Wunder“, von denen sein Buch erzählt.
Menschen und Begegnungen
Seine Werke wurden in bedeutenden Konzertsälen wie der Royal Albert Hall, der Berliner Philharmonie und dem Wiener Musikverein sowie bei den Salzburger Festspielen aufgeführt. Zu den Orchestern, die seine Musik spielten, zählen die Berliner Philharmoniker und das Philadelphia Orchestra. Dirigiert wurden seine Werke unter anderem von Claudio Abbado, Riccardo Muti, Seiji Ozawa, Kirill Petrenko und Gustavo Dudamel.
Mozart und Willi
Drei Jahre dauerte die Arbeit an dem Buch. Willi erzählte Martin Skamletz Geschichten aus seinem Leben, der Musikwissenschaftler, Komponist und Flötist brachte sie zu Papier. Auch die Gestaltung war Willi wichtig. Das Buch sollte kein beiläufig produziertes Erinnerungsbändchen werden, sondern bis in kleine typografische Details durchdacht sein. Der Bildsteiner Designer Christoph Ganahl setzte seine Vorstellungen entsprechend um. Nach Jahren, in denen sich Willi bewusst aus dem Musikbetrieb zurückgezogen hatte und seine Werke für sich sprechen lassen wollte, erzählt er nun wieder selbst.

Nicht, um die Stationen einer bemerkenswerten Karriere aufzuzählen. Sein Anspruch ist zugleich einfacher und größer. Wenn jemand das Buch zuklappe und denke, jetzt starte er wieder durch, jetzt habe er wieder Hoffnung und Vertrauen ins Leben, sagt Willi, „dann ist das genau der Grund, warum ich es geschrieben habe“. Das Buch ist im Buchhandel sowie über die Homepage der Herbert Willi Society unter www.herbertwillisociety.org erhältlich.