Der Himmel lässt auf sich warten

Marcus Harm spielt in der Regie von Armin Weber in „Berlinger – Monolog eines Toten“.
Sulz Berlinger ist tot. Sein Leben lang hat der Mesner in der Kirche seinen Dienst versehen und sich redlich bemüht, ein anständiger, gläubiger Mensch zu sein. Nun sitzt er im Wartesaal und wartet auf das, was ihm seiner Ansicht nach zusteht: auf den Engel des Herrn, auf die Abholung, auf den verdienten Einzug in den Himmel. Doch niemand kommt. Ein Toter, der wartet, und ein Himmel, der sich nicht meldet: Die Ausgangslage hat etwas von Beckett, nur dass hier nicht zwei Landstreicher auf Godot warten, sondern ein frommer Mann auf seinen Lohn. Und je länger die Stille anhält, desto lauter wird die Frage, ob dieser Lohn überhaupt jemals vereinbart war. Was als geduldiges Ausharren beginnt, wird bald zur Abrechnung. Berlinger zieht Bilanz – über Glauben und Kirche, Sünde und Moral, über Beichte und Buße, über Frauen und verpasste Gelegenheiten. Je länger das Warten dauert, desto mehr Risse bekommt die Fassade des untadeligen Lebens. Hinter der Frömmigkeit tun sich kleine Abgründe auf, die Erinnerungen werden immer grotesker, und die Gewissheit, auf der richtigen Seite zu stehen, gerät ins Wanken.
Die Vorlage stammt von Norbert Silberbauer, dessen Monolog „Firlinger“ im “theatermobil” in Sulz in einer Mundartfassung auf die Bühne kommt. Aus Firlinger wird Berlinger, und der Mesner spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Das rückt den Stoff nah heran: Die Kirche könnte im Nachbardorf stehen, und den Mesner glaubt man vom Sonntagsgottesdienst zu kennen. Marcus Harm spielt ihn als eigensinnigen, selbstgerechten Einzelgänger, der es sich in seiner Rechtschaffenheit bequem eingerichtet hat und der gerade in seinen Schwächen berührend menschlich wird. Mit bissigem Humor und Sarkasmus bewegt sich der Abend zwischen schwarzer Komödie und Satire. Unter dem Spott aber liegt eine ernste Frage: War ein Leben nach Vorschrift wirklich ein erfülltes Leben? Regie führt Armin Weber.
Premiere ist am Donnerstag, 15. Oktober, um 20.30 Uhr. Weitere Vorstellungen folgen am 17., 18., 22., 24., 25., 28., 29. und 31. Oktober sowie am 1. November. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr, an den Sonntagen 18. und 25. Oktober sowie zu Allerheiligen am 1. November bereits um 18 Uhr. Der Eintritt kostet 25 Euro.