Die Macht der Räume: Torkwase Dyson im KUB

Kultur / 15.10.2026 • 15:25 Uhr
Die Macht der Räume: Torkwase Dyson im KUB
Tiefblau und Schwarz: Dysons Gemälde verweisen auf Wasserwege, an denen koloniale Gewalt und Befreiung gleichermaßen Geschichte geschrieben haben.Roland Paulitsch

Die Künstlerin zeigt in Bregenz ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Österreich.

Bregenz Im Erdgeschoß des KUB beherrschen zwei schwarze, keilartig zugeschnittene Kolosse den Raum, Torkwase Dyson nennt sie „Hypershapes“. Der eine ist zwischen Boden und Decke verspannt, der andere verjüngt sich nach unten zu einer Spitze, die den Boden knapp verfehlt. Gefertigt wurden die Skulpturen aus Pappelsperrholz im Bregenzerwald, anschließend hat die Künstlerin das Holz tagelang mit schwarzer Lasur getränkt. Die Farbe liegt so nicht auf dem Holz, sie steckt in ihm.

Die Macht der Räume: Torkwase Dyson im KUB
Zwei schwarze „Hypershapes“ verstellen das Erdgeschoß des KUB.Roland Paulitsch

Die Künstlerin, 1973 in Chicago geboren und heute in Beacon nördlich von New York zu Hause, hat Soziologie und Malerei studiert. Sie fragt, wie Räume entstehen und wem sie offenstehen. Geografie begreift sie als etwas Gemachtes: Grenzen, Wege und Besitz sind Folgen politischer Entscheidungen und historischer Gewalt. Ihre Formen beziehen sich auf die Black Geographies und das Black Compositional Thought, also darauf, wie sich Schwarze Menschen Freiräume erkämpft haben, in einem Nordamerika, das die Sklaverei bis heute prägt. Wer vor den Skulpturen steht, wird sich der eigenen Position im Raum bewusst.

Die Macht der Räume: Torkwase Dyson im KUB

Bei ihrem ersten Besuch in Bregenz habe sie sofort gespürt, wie Werk, Technik und Architektur hier ineinandergreifen, sagt Dyson. Den Ort habe sie selbst erleben müssen. Sie habe sich darauf verlassen, dass ihre Formen Geschichte und Zweck des Hauses in sich aufnehmen würden, ohne sich an einen bestimmten Punkt auf der Landkarte zu binden. Das sei ihr gelungen. Architektur setze uns ihren Bedingungen aus und mache uns zugleich sichtbar. Gebäude entstünden unter jeweils eigenen Voraussetzungen. „Zu verstehen, wie sie konstruiert sind und wie sie sich zu der Welt verhalten, in der wir leben wollen, bedeutet auch, ihre Macht zu verstehen: Sie bestimmen, wie Menschen wohnen, leben und handeln können.“

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Im ersten Obergeschoß wächst eine weitere Skulptur aus dem Boden, eine gewaltige schwarze Sichel, die auf einer schmalen Stütze ruht und über die Köpfe der Besucher aufragt. Zwei kleine rautenförmige Öffnungen durchbrechen die Fläche. Ähnliche Kreissegmente zeigt Dyson derzeit im Arsenale der Biennale in Venedig, dort mit farbigem Glas. An den Betonwänden hängen dazu die ersten Gemälde.

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Markus Tretter

Das zweite Obergeschoß ist abgedunkelt. Hier läuft eine Stop-Motion-Animation, dazu ist ein Klangraum zu hören. Töne haben keine Form, aber Richtung und Volumen, sie besetzen den Raum wie Architektur, nur unsichtbar. Die Partitur dazu hängt an einer Wand: 34 kleine Bilder. Alle Gemälde der Ausstellung hat Dyson für Bregenz geschaffen, keines war bisher öffentlich zu sehen.

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Im obersten Stock, im Tageslicht, hängen die großen Leinwände. Tiefblaue und schwarze Flächen, darauf feine Linien und geometrische Zeichen. Abstrakt sind sie nur auf den ersten Blick: Dyson bezieht sich auf Wasserwege und Infrastrukturen, die Schauplätze kolonialer Gewalt waren, aber ebenso Orte, an denen Menschen Neues erfunden und sich befreit haben.

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Für Dyson ist es die erste Einzelausstellung in einer österreichischen Institution. International ist sie längst etabliert: Sie war auf der Whitney Biennale 2024 und der Biennale von São Paulo 2023 vertreten, 2025 installierte sie mit „Akua“ im Brooklyn Bridge Park ihre erste große Klangarbeit und entwarf für das Metropolitan Museum das Design der Modeausstellung „Superfine: Tailoring Black Style“.

Die Macht der Räume: Torkwase Dyson im KUB

Eröffnet wird am Freitag, 16. Oktober, um 19 Uhr, das Haus ist an diesem Abend von 18 bis 22 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Am Samstag, 17. Oktober, um 11 Uhr spricht Dyson in einem Artist Talk über ihre Arbeit, der Beitrag beträgt 7 Euro plus Eintritt.