Was ist uns die Kunst wert?

Sechs Studierende der Stella fragen, wer sich eine Ausbildung in klassischer Musik leisten kann.
Feldkirch Über Geld spricht man nicht – schon gar nicht im Musikstudium. Dabei sind die finanziellen Voraussetzungen für eine künstlerische Laufbahn hoch: Instrumente, Unterricht, Reisen, Meisterkurse und Wettbewerbe wollen bezahlt sein. Wer über die Mittel verfügt, kann Chancen ergreifen, wer sie nicht hat, muss oft verzichten. Ob ein Berufsweg in der klassischen Musik überhaupt realistisch erscheint, hängt nicht nur von Begabung und Fleiß ab. Sechs Studierende der Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik haben diese selten offen verhandelte Realität zum Thema gemacht. Unter dem Titel „What Are We Worth?“ bringen Christopher Njapha, Inés Mariné Aguado, Jasmin Mönkkönen, Kenichi Kawabata, María Fernanda Castillo-Pinilla und Sahori Miwa am 22. Oktober im Palais Liechtenstein in Feldkirch eine dokumentarisch-musiktheatrale Konzertperformance auf die Bühne. Ihre Fragen gehen über den Hochschulalltag hinaus: Was ist uns unsere Kunst wert? Wer kann sich eine Karriere als Musiker leisten? Und welchen Einfluss haben Geld, Privilegien und soziale Herkunft auf künstlerische Chancen? Beginn der Performance ist um 18 Uhr, der öffentliche Dialog beginnt um 19 Uhr.
Stimmen aus dem Studium
Ausgangspunkt der Inszenierung sind Interviews, welche die sechs seit Mai mit Mitstudierenden und Lehrenden geführt und aufgezeichnet haben. Es geht um finanzielle Belastungen und die Opfer, die eine musikalische Laufbahn verlangt, um Verzweiflung, Selbstzweifel und Schuldgefühle gegenüber der eigenen Familie, um das Gefühl, mit weniger Mitteln auch weniger Chancen zu haben – aber auch um Unterstützung, die manche erfahren haben. Ausschnitte der Tonaufnahmen werden Teil einer Klanginstallation, Aussagen fließen in den Bühnentext ein. Ergänzt wird das durch historische Fakten zur materiellen Lage von Musikern und Komponisten früherer Jahrhunderte.
Den musikalischen Teil des Abends bestreiten die Studierenden selbst, an Klarinette, Violine, Violoncello, Querflöte und Klavier sowie mit Gesang. Das Programm schlägt einen Bogen von Monteverdi und Purcell über Mozart und Brahms bis zu Debussy, Bartók und Messiaen. Die Szenografie stammt von Bühnenbildnerin Rebekka Kaiser, betreut wird das Projekt von Martina Taubenberger, Dozentin an der Stella und Konzertdramaturgin am TAK Theater Liechtenstein. Fachlich begleitet wurde die Recherche von Franziska Wallner, Leiterin des Career Centers der Universität Mozarteum Salzburg, die zur Einkommenssituation freier Musikschaffender in Österreich forscht und den Studierenden aktuelle Ergebnisse zur Verfügung stellte. Unterstützung kam zudem von mica – music austria und der Hochschulleitung. Möglich wird der Abend durch die impulse Privatstiftung, die junge Künstlerinnen und Künstler der Stella fördert. Alle zwei Jahre vergibt sie mit impuls Plus+ ein Sonderbudget von 18.000 Euro für ein studentisches Projekt mit besonderer Breitenwirkung. „What Are We Worth?“ setzte sich im April in einem Auswahlverfahren durch.