Vom Sinn der Macht

12.05.2019 • 15:01 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Macht- und Selbstbehauptungsstreben sind Naturtriebe in uns Menschen, die das Leben, wie andere Triebe auch, fördern und erhalten wollen. Aber jeder Trieb läuft Gefahr, durch Maßlosigkeit missbraucht zu werden, z. B. in unangemessenem Machtstreben, in der Unterdrückung anderer oder in übertriebener Selbstbehauptung steckt der fatale Hang zum Zerwürfnis. Aber gibt es einen positiven Aspekt von Macht? Oder geht es auch ohne Macht? Nein, denn eine Gemeinschaft kommt ohne gewisse Machtträger nicht aus. Denken wir z. B. an die Erziehungsaufgabe. „Die Macht, die euch gegeben ist, bedeutet in erster Linie Dienst am Menschen“(Johannes Paul II.). Macht kann auch gut sein. Und es ist von Übel, sie nicht auszuüben, wenn man die Verantwortung hat. Ausübung von Macht und Verantwortung korrespondieren miteinander. Macht kann ein angemessenes Mittel dafür sein, Gutes zu tun im Sinne eines Dienstes, eines Schutzes, z. B. zwischen Erwachsenen und Kindern oder in einem Betrieb zwischen Leitenden und Untergebenen. Jedoch sind Achtsamkeit, Umsicht und Respekt nötig, die die Freiheit und das Gewissen des Einzelnen wahren. Gier und Lust, die der Macht auch eigen sein können, gilt es von Anfang an zu wehren. Wenn dies alles bedacht wird, tritt Macht hoffentlich in den Dienst des Guten.

Walter Beiter, Feldkirch