„Alle können irren“

Leserbriefe / 13.01.2020 • 20:06 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum Leserbrief von Pfr. Helmut Rohner, VN vom 9. 1. 2020:

Wenn ich das doch sehr kirchliche Thema „Priestertum“ auf der Leserbriefseite kritisch ergänzen darf: Ja, ich kann Helmut Rohners Sichtweise insofern zustimmen, als nach christlicher Überzeugung jeder und jede Getaufte, ja im Grunde jeder Mensch zu einer „priesterlichen“ Haltung berufen ist, und das in dem Sinn, dass jeder Mensch zu einem solidarisch-dienenden Leben „für die Menschheit“ auf der Welt ist. Die Gleichheit aller wäre dann aber nicht in der gesellschaftlichen Stellung anzustreben, sondern im quasi „priesterlichen“ Geist des „für uns“. Zu diesem „persönlichen“ Priestertum aller glaubt die Kirche ein „sakramentales“ Priestertum (Weihepriestertum), das allerdings nicht „über“, sondern „unter“ das allgemein persönliche Priestertum gedacht ist – nämlich im Dienst an der Entfaltung aller, einschließlich des Priesters selber. Anti-Klerikalismus ist daher die notwendige Reaktion auf eine Kirche, in der das sakramentale Priesteramt sich über das allgemeine stellt und gleichzeitig das eigene persönliche Priestertum sträflich vernachlässigt. So gesehen könnte ich Hr. Rohner folgen: Jesus von Nazareth konnte niemals ein sakramentales Priestertum wollen, das sich selbst zu einer Art „Kaste“ erhöht.

Pfr. Peter Mathei, Alberschwende