Herbergssuche

Leserbriefe / 11.11.2021 • 19:57 Uhr

Bald ist Advent und wir Kultur- oder sonstige Christen werden wieder mit Wohlgefallen auf die Krippenbauer und deren Weihnachtskrippen blicken, die dann sicher wieder in den Fokus der medialen Öffentlichkeit gerückt werden. Krippe? War da nicht was, irgendwas mit Herbergssuche? An den europäischen Außengrenzen verharren im tiefen Winter Tausende verzweifelte, frierende Männer, Frauen und Kinder – Kindlein, klingelt‘s? – und erhoffen sich Barmherzigkeit von den Europäerinnen und Europäern und ihren Lenkern. Und sind doch nicht mehr als Spielball einer zynischen Politik. Nein, nicht nur des weißrussischen Diktators Lukaschenko, auch österreichischer Politiker, die sich in verschwurbelten Phrasen über – nie ankommende – Hilfe vor Ort ergehen. Ich fordere alle Verantwortlichen auf: Erheben Sie sich, leisten Sie substanzielle Hilfe oder setzen sie sich zumindest in allen zuständigen Gremien dafür ein! Seien Sie mutig auch angesichts einer Parlamentsfraktion, die abstrakte Heimatliebe vor konkrete Menschenliebe stellt. Wirken Sie mit an der Schaffung humanitärer Korridore für die Einwanderung Verfolgter und Vertriebener. Aber auch die Bevölkerung ist gefordert. Schreiben Sie an Ihren Repräsentanten und teilen ihm mit, dass Sie nicht mit diesem grausamen Spiel auf Leben und Tod einverstanden sind. Eingedenk der Herbergssuche zu Bethlehem. Damit sie wieder mehr wird als bloß ein zynisches Sinnbild wohlstandsverwöhnter Bewohner des „christlichen“ Abendlands.

Dr. Dieter Petras,

Schlins