Sanktionen gegen Russland
Vielleicht sind die Sanktionen ein notwendiges Übel, aber ich habe die Befürchtung, dass sie nicht wie beabsichtigt den Kreml abschrecken, sondern stattdessen die Inflation verschärfen, die Ernährungsunsicherheit verschlimmern und die einfachen Russen mehr bestrafen als Putin oder seine Verbündeten. Die Geschichte hat gezeigt, dass Wirtschaftssanktionen kriegswillige Regime stärker machen und die Bevölkerung dazu bringen, sich hinter einen Machthaber zu stellen. Inzwischen ist die skurrile Situation entstanden, dass Russland trotz geringerer Öl-Exporte mehr Geld verdient. Das liegt daran, dass Länder wie Indien und China mehr Öl aus Russland einkaufen. Die Sanktionen bewegen Putin nicht zum Einlenken. Im Gegenteil, er wird immer wütender, der Konflikt wird verschärft und führt auf der ganzen Welt zu humanitären Katastrophen. Aber die Wohlhabenden und gut Vernetzten bleiben unberührt. Wollen wir Europäer die Weltpolizei spielen? Und uns dabei selber schädigen? Wir sind politisch, militärisch und finanziell zu schwach. Wäre es nicht schlauer, sich neutraler zu verhalten? Wie lange haben unsere Bürger noch Verständnis für die Sanktionen und die Vergöttlichung von Selenskyj, wenn sie im Winter frieren und ihre Mieten nicht mehr bezahlen können? Wollen wir das Risiko eines Dritten Weltkriegs eingehen, der bereits verloren ist, nur um nicht allein zu sterben?
Roland Geiger, Buch