Die Macht der Stille

Leserbriefe / 08.08.2022 • 18:23 Uhr

Ich habe nach meiner Pension noch 25 Sommer auf Alpen verbracht. Es war eine großartige Zeit. Täglich zwei Mal der Rundgang zu den anvertrauten Tieren. Die Nachschau, ob alle Tiere gesund sind. Die traumhafte Landschaft. Immer wieder äsendes Wild, Reh oder Gams unter den Rindern, das Zwitschern der Singvögel, der Ruf des Kuckucks. Freundliche Menschen, selten Besucher, weil ein zweistündiger Aufstieg zur Hochalpe erforderlich ist. Alle zwei Wochen Besuch eines der Kinder mit Brot und anderen Lebensmitteln. Die Frau hat daheim vorgekocht. Wichtig auch die Nachricht, dass daheim alles in Ordnung ist. Während der Alpzeit habe ich auch die Bedeutung der Stille erfahren dürfen. Eins werden mit der Natur. Schmecken, Fühlen, Sehen in der mich umgebenden Natur. Es ist eine Stille, deren unwiderstehende Kraft, in der ihr eigenen Einfachheit gründet. Vielleicht braucht es in unserer so hektischen, aufregenden Zeit mehr von dieser mächtigen Stille. Mich jedenfalls beeindruckt sie immer wieder.

Hugo Mayer, Egg