„Einberufen zum Krieg“
Zum Bericht über Gräber ukrainischer Soldaten, VN vom 5.8.22:
Wenn man da liest von den ukrainischen Söhnen und Vätern, die als „Gefallene“ begraben werden – und ich denke hier einmal nicht an die Männer auf der russischen Seite –, dann kommen mir Fragen über Fragen: Kann man wirklich sagen, dass diese ukrainischen Männer auch für uns in den Krieg gehen? Und: Rücken sie mit großer Überzeugung ein – oder so wie „Einberufene“ zu den Kriegen aller Zeiten? Weil alle gehen müssen? Und wer ist es, der einberuft? Und: Sind Gefallene als „Vermächtnis“ zu sehen, so dass deren Opfer die Fortsetzung des Krieges verlangt? Und dann: Würde ich als Wehrpflichtiger dem Stellungsbefehl folgen, wenn es um Österreich und Mitteleuropa ginge? Oder würde ich mich weigern und Gefängnis in Kauf nehmen angesichts der Wahrscheinlichkeit, dass ich „falle“? (merkwürdiger Ausdruck!). Und noch einmal gefragt: Würde ich für Freiheit und Demokratie mein Leben riskieren? Oder würde ich sagen: Lieber gesichert am Leben bleiben? Und schließlich: Wenn jemand einen fiktiven Roman schriebe, in dem die Seelen dieser und aller Gefallenen zu Wort kämen: Was würde die Schriftstellerin, der Schriftsteller sie uns sagen lassen aus dem Jenseits? Uns, die wir noch im Irdischen sind?
Peter Mathei, Alberschwende