Europäische Wertvorstellungen?

Leserbriefe / 21.09.2022 • 16:56 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Man sollte sie tatsächlich hinterfragen, obwohl oder weil das Wort „Werte“ fast inflationär verwendet wird. Eine gängige Gliederung in „wirtschaftlich“ und „kulturell“ genügt auch nicht. In einem Klima von Dekadenz und Korruption liegt „Moralisieren“ zwar gar nicht im Trend. Früher gab es noch das aus der Zeit gefallene Wort „Tugend“, das von „taugen“ kommt. Ziel waren „taugliche“ Mitmenschen. Man unterschied primäre und sekundäre Tugenden; letztere waren vom positiven Zweck abhängig. Wenn als Eigenschaften der verstorbenen Queen Verlässlichkeit, Pflichtbewusstsein, Disziplin und Stabilität gerühmt werden, denn standen sie eben „im Dienste des Volkes“, was König Charles III. soeben wiederholt hat. Das Motto der irischen Mönche war seinerzeit „stabilitas in peregrinatione“! Ein Jahrhundert hat die Queen „durchpilgert“. Der Sohn wünschte ihr einen Engel fürs Hinübergehen. Seit der Antike gehörten zu den Wertvorstellungen Europas die vier Kardinaltugenden Gerechtigkeit, Klugheit, Maßhalten, Tapferkeit. Und in unserer Zeit hat der Theologe Hans Küng das ,,Weltethos“ bearbeitet: nicht töten, nicht lügen, nicht stehlen, nicht Unzucht treiben! Das heißt in positiver Wendung: Leben fördern, wahrhaftig reden und handeln, das Eigentum des anderen respektieren, den Partner/die Partnerin lieben und

wertschätzen. Wären das europäische Werte?

Mag. Dr. Hildegard Pfanner, Bregenz