Leserbrief: Kormorane am Bodensee

Wie erfolgversprechend ist das jüngst initiierte “Anti-Kormoran-Projekt” am Bodensee? Der Kormoran ist am Bodensee schon längst zu einer Plage geworden. In der Bregenzer Bucht sind im Sommer und Herbst 2025 wiederholt Kormoranschwärme mit bis zu 1000 Vögeln eingefallen. Wo derartige Massen an Kormoranen gemeinsam zur Jagd abtauchen, kommt es unter Wasser zu einem Kahlschlag, dem kaum ein Fisch entrinnen kann. Von den Kormoranen nur verletzte Fische verenden regelmäßig nach Pilzbefall. Am Bodensee hat der Kormoran schon lange keine natürlichen Feinde mehr und er konnte sich hier unter dem Schutzmantel einer unausgegorenen EU-Vogelschutzrichtlinie rasant vermehren. Vor allem Baden-Württemberg verweigerte lange Zeit seine Mitwirkung an effektiven Maßnahmen, um den Bestand an Kormoranen am Bodensee wieder zu reduzieren. Nun soll ausgerechnet dieses deutsche Bundesland, das über eine besonders starke Ornithologen-Lobby verfügt, federführend bei einem “Anti-Kormoran-Projekt” sein. Bereits 2008 ist ein EU-Kormoran-Managementplan zur Reduzierung der durch Kormorane verursachten Schäden beschlossen worden, ohne dass seitdem am Bodensee effektiv etwas bewirkt worden wäre. Somit ist große Skepsis angebracht, ob nun tatsächlich wirksame Maßnahmen zur Reduktion der enormen Kormoranbestände am Bodensee ergriffen und umgesetzt werden.
Dr. Harald Bösch, Bregenz