Niemand will an

Leserbriefe / 25.01.2026 • 21:26 Uhr

Omas Häuschen!

Zuletzt waren einige kritische Leserbriefe zu meinen VN-Kommentaren zu lesen. Meinungsvielfalt ist gut und richtig. Wenn da allerdings von „ökonomischem Unsinn“ die Rede ist und empfohlen wird, sich am argentinischen „Kettensäge“-Staatschef Javier Milei zu orientieren, der gerade den Sozialstaat zertrümmert, rege ich doch eher eine Auseinandersetzung mit weltweit anerkannten Ökonomen wie etwa Thomas Piketty an. Ein anderer schreibt als angeblich „fachliche Ergänzung“, die KESt besteuere nur die Erträge, nicht die Substanz. Richtig. Was jemand von seiner auch noch so kleinen Pension abzweigt und auf das Sparbuch legt, ist bereits versteuertes Geld. Die Zinsen sind ein Vermögenszuwachs, der besteuert wird. Eine Erbschaft ist nicht „Substanz“ des Erben, sondern ebenfalls ein Vermögenszuwachs. Warum soll dieser – ab einem hohen Freibetrag – nicht besteuert werden? Vor genau einem Jahr haben in Davos 370 Superreiche sogar die höhere Besteuerung ihres Vermögens gefordert. In Österreich will mit Hans Peter Haselsteiner einer der reichsten Männer des Landes eine Erbschaftssteuer für große Vermögen. Sie alle wissen, dass unsere Gesellschaft auseinanderbricht, wenn die Kluft zwischen Arm und Reich noch weiter auseinandergeht. Eine moderate Erbschaftssteuer ist eine Frage der Gerechtigkeit und sichert den sozialen Frieden. Und nein: Niemand will an Omas Häuschen!

Dr. Harald Walser, Altach