Leserbrief: Sommerschule 2025

Die diesjährige Sommerschule an einer Volksschule in Vorarlberg hat mir einmal mehr gezeigt: Sie ist mehr Schein als Sein. Von uns Studierenden wird verlangt, jede Stunde detailliert vorzubereiten – mit Lernzielen, Methoden und Materialien. Bei den schuleigenen Lehrpersonen hingegen erlebe ich das Gegenteil: keine Planung, kein Konzept. Am Montagmorgen wurden vor den wartenden Kindern noch schnell Arbeitsblätter kopiert. Von gezielter Förderung keine Spur. Manche Kinder erhielten Aufgaben zu “Teilen mit Rest”, obwohl sie nicht einmal die Malreihen beherrschen. Pädagogisch verantwortungsvoll ist das nicht. Noch absurder: Für diese Leistung erhalten Lehrpersonen das Doppelte von dem, was wir Studierende verdienen. Besonders befremdlich war, dass eine Lehrperson die Sommerschule nutzte, um ihren eigenen Unterricht für das kommende Schuljahr vorzubereiten – anstatt sich den Kindern zu widmen. Ich war hochmotiviert, hoffte, von erfahrenen Lehrpersonen lernen zu können. Stattdessen habe ich vor allem gesehen, wie ich selbst später nicht arbeiten möchte. Wenn Lehrende so wenig Engagement zeigen, ist es kein Wunder, dass der Beruf in der Gesellschaft an Ansehen verliert. Bevor Herr Wiederkehr Lehrpersonen zur Sommerschule verpflichtet, sollte er sicherstellen, dass dieses Angebot Qualität hat. In der jetzigen Form ist es nichts anderes als eine teure Alibiübung – auf Kosten der Kinder und unserer Zukunft.
Felizitas Sohler, Eichenberg