Leserbrief:

Die aktuellen Schwierigkeiten bei der Evakuierung österreichischer Staatsbürger aufgrund der mangelnden Einsatzbereitschaft unserer C-130-Hercules-Maschinen führen uns schmerzlich vor Augen, was die jahrzehntelange Unterdotierung des Bundesheeres bedeutet. Dass diese Flugzeuge aus dem Jahr 1967 überhaupt so lange ihren Dienst versehen konnten, ist primär der herausragenden Professionalität unserer Techniker und Piloten zu verdanken. Es ist jedoch wenig zielführend, wenn sich politische Akteure nun gegenseitig die Verantwortung zuschieben. Als ehemaliger Präsident der Österreichischen Unteroffiziersgesellschaft habe ich über Jahre miterlebt, wie notwendige Beschaffungsvorgänge aufgrund fehlender Budgets verschleppt wurden – und zwar über mehrere Regierungsperioden hinweg. Faktum ist: Nahezu alle Parteien, die in der Vergangenheit Regierungsverantwortung trugen, haben den personellen und materiellen Zustand unseres Heeres mitzuverantworten. Die Situation rund um die Transportflotte ist symbolhaft für einen zu sorglosen Umgang mit der nationalen Sicherheit. In einer geopolitisch instabilen Lage muss uns klar sein: Ohne eine solide finanzielle Basis gibt es keine verlässliche Sicherheit für die Bevölkerung. Anstatt in gegenseitigen Schuldzuweisungen zu verharren, ist es nun an der Zeit, mit Weitblick zu handeln. Die Politik ist gefordert, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und die Landesverteidigung wieder als das zu behandeln, was sie ist: eine überparteiliche Kernaufgabe des Staates im Dienst der Bürgerinnen und Bürger.
Othmar Wohlkönig, Vizeleutnant i.R., ehem. Präsident der Österreichischen Unteroffiziersgesellschaft, Graz