Leserbrief: Femizid – ein problematischer Begriff

Leserbriefe / 13.03.2026 • 13:30 Uhr
Leserbrief: Femizid – ein problematischer Begriff

Zum Kommentar von Reinhard Haller, VN vom 12. März:

Sehr geehrter Herr Prim. Haller, in Ihrer Kolumne kritisieren Sie ausführlich den Begriff “Femizid” und werfen Feministinnen ein zu enges Denken vor. Was jedoch auffällt: Eigene Vorschläge, wie tödliche Partnergewalt verhindert werden kann, fehlen. Gerade die Individualisierung, auf die Sie verweisen, Beziehungsprobleme, psychische Erkrankungen, Sucht, war lange Teil des Problems. Sie hat dazu geführt, dass tödliche Gewalt gegen Frauen als private Tragödie oder bedauerlicher Einzelfall dargestellt wurde. Der Begriff “Femizid” hat diese Logik aufgebrochen und sichtbar gemacht, dass viele dieser Taten einem wiederkehrenden Muster folgen: Männer töten ihre (Ex-)Partnerinnen im Kontext von Kontrolle, Besitzdenken und Trennung. Dass ein angesehener Psychiater seine öffentliche Autorität vor allem dafür nutzt, Begriffe zu kritisieren, statt eigene Lösungsansätze einzubringen, ist bemerkenswert. Das Frauenmuseum zeigt derzeit in der Ausstellung Frieden tun, wie feministische Initiativen immer schon konkret an Frieden, Gewaltprävention und gesellschaftlichen Lösungen arbeiten. Gerne lade ich Sie persönlich zu einem Besuch dort ein.

Sandra Schoch, ehem. Frauen-Gleichstellungsstadträtin der Stadt Bregenz, Bregenz