Johanniterkirche
Zum Bericht „Kurzsichtig und realitätsfremd“, VN vom 25.3.26:
Das ist mehr als nur eine organisatorische Entscheidung – es fühlt sich an wie ein stilles Auslöschen von etwas, das über Jahrzehnte gewachsen ist. Die Johanniterkirche war kein beliebiger Ausstellungsort, sondern ein Raum mit Seele, mit Geschichte, mit einer ganz eigenen Spannung zwischen sakraler Architektur und zeitgenössischer Kunst. Dass diese gewachsene Struktur nun aus Kostengründen aufgegeben werden soll, hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Es wirkt kalt, fast technokratisch: als würde man etwas Lebendiges auf eine Excel-Zeile reduzieren. Natürlich sind Budgets real, aber was hier verloren geht, lässt sich nicht einfach neu aufbauen oder ersetzen. Drei Jahrzehnte kulturelle Kontinuität, internationale Strahlkraft, ein besonderer Resonanzraum für Kunst – all das verschwindet nicht geräuschlos. Besonders schmerzhaft ist, dass solche Entscheidungen oft erst im Nachhinein ihre Tragweite zeigen. Wenn der Ort verstummt ist. Wenn Künstler/innen fehlen. Wenn das Publikum merkt, dass etwas nicht mehr da ist, das selbstverständlich geworden war. Es bleibt das Gefühl, dass hier nicht nur gespart wird, sondern dass ein Stück kultureller Identität preisgegeben wird. Und meine Frage: Ob man sich dieser Konsequenz wirklich bewusst ist – oder ob man sie erst dann erkennt, wenn es zu spät ist. Die Verantwortlichen der Stadt Feldkirch, des Landes und der Diözese sind sich dessen leider nicht bewusst.
Joe Truog, Feldkirch