Leserbrief: Müllverbrennung in Frastanz?

Die Ganahl AG plant auf ihrem Frastanzer Werksgelände (“Wellpappe/Papierwerk Rondo”), umgeben von Wohngebiet, die Errichtung einer Abfallmitverbrennungsanlage mit einer Kapazität von 122.000 Tonnen pro Jahr, beschönigend bezeichnet als “Energiezentrale”. Zu den beantragten Brennstoffen gehören beispielsweise Kunststoff- und Gummiabfälle im Ausmaß von bis zu 30.000 Tonnen pro Jahr. Frastanz liegt in topografischer Kessellage mit oftmaliger Inversionswetterlage, welche die Abgasentweichung behindern würde. Das Projekt beinhaltet massive Risiken für Gesundheit, Wohnqualität, Grundwasserqualität, Luftqualität etc. Jedenfalls zu erwarten ist eine Zunahme der Lärmbelastung sowie des Schwerverkehrs auf den ohnehin schon überlasteten Zubringerstraßen durch Wohngebiete um die Fahrten von zusätzlich ca. 37 Lastkraftwagen pro Tag und eine großräumige Wertminderung der umliegenden Liegenschaften. Allgemeinnutzen ist keiner erkennbar: Die vorhandene regionale Abfallentsorgungsinfrastruktur ist ausreichend. Wie in derartigen Fällen üblich, bringt die Ganahl AG das Totschlagargument der Standortgefährdung: Bei Nichterrichtung der Abfallmitverbrennungsanlage drohe die Schließung ihres Wellpappe-Papierwerks. Heißt dies verallgemeinernd, dass zukünftig ein beliebiger Wirtschaftsbetrieb zwecks Verbesserung seiner Marktposition seine eigene Müllverbrennungsanlage errichten darf – kann das sein?! Das Vorhaben erscheint als geradezu klassisches Beispiel für Vergesellschaftung der Risiken und Privatisierung der Profite. Hochriskante Technologien wie Müllverbrennung gehören in öffentliche und nicht in privatwirtschaftliche, profitmaximierende Hände!
MMMag. Dr. Peter Wehinger, Göfis