Rondo Kraftwerk: “Wir verbrennen keine schwarzen oder gelben Säcke”

Verantwortliche des Unternehmens verteidigen Projekt gegen Kritik aus der Bevölkerung.
Frastanz Es ist ein Projekt, das sehr viel Gegenwind bekommt: das geplante Reststoffkraftwerk von Rondo Ganahl in Frastanz. Sigrid Rauscher, Leiterin der Papierfabrik, und die Projektleiter Benjamin Jentzsch und Andreas Neuper über Vorwürfe, Emissionen und Informationsbedarf:
Warum braucht Rondo das Reststoffkraftwerk?
Wir sind der größte Erdgasverbraucher in Vorarlberg. Künftig möchten wir 140 GWh Wärme und 60 GWh Strom selbst produzieren. Unser Erdgasverbrauch kann damit um 90 Prozent reduziert werden. Weiterer Grund ist die Kreislaufwirtschaft. Altpapier wird gesammelt und bei uns zu Wellpappe-Rohpapier verarbeitet. Dieser Kreislauf kann bis zu 25-mal durchlaufen werden, bis die Papierfasern zu kurz sind. Diese Reststoffe wollen wir als Energieträger verwerten.

Warum ist der Standort aus Ihrer Sicht der richtige – trotz Nähe zu Wohngebieten?
Energie sollte dort erzeugt werden, wo sie genutzt wird. Unsere Papierproduktion läuft ganzjährig im durchgehenden Betrieb. Dadurch ist eine effiziente Nutzung gewährleistet. Vergleichbare Anlagen werden europaweit auch in unmittelbarer Nähe sensibler Einzugsgebiete und in dicht besiedelten Ballungszentren betrieben. Dort werden, wie bei uns, modernste Filteranlagen installiert.
Wurden Alternativen geprüft?
Ja, und zwar umfassend und über einen längeren Zeitraum hinweg. Nach aktuellem Stand gibt es jedoch keine verfügbare Technologie, die zuverlässig und ausgereift genug ist, um unsere Papiermaschine rund um die Uhr mit der erforderlichen Energiemenge zu versorgen.

Bürger befürchten gesundheitliche Auswirkungen. Welche Emissionen werden entstehen?
Im Genehmigungsverfahren wird berechnet, wie sich die Abgase ausbreiten und ob die Luftqualität beeinflusst wird. Maßstab sind dabei verbindliche Immissionsgrenzwerte. Das Kraftwerk wird so betrieben, dass diese eingehalten werden. Damit sind keine relevanten Auswirkungen auf Gesundheit oder Lebensqualität der Anwohner zu erwarten.
Inwieweit wurden Inversionswetterlagen berücksichtigt?
Diese werden ausdrücklich berücksichtigt. Alle gesetzlichen Grenzwerte werden laut Gutachten auch in windstillen Situationen deutlich unterschritten.

Können Sie eine Gefährdung des Trinkwassers ausschließen?
Aufgrund der Bauweise kann ein Feuchtetransport, wenn überhaupt, nur von außen nach innen erfolgen. Schon deshalb ist eine Gefährdung des Grundwassers ausgeschlossen.
Kritiker werfen Ihnen vor, die Bevölkerung unzureichend informiert zu haben.
Wir nehmen diesen Vorwurf ernst. In der frühen Projektphase lag der Fokus auf technischen und rechtlichen Grundlagen. Rückblickend hätte die Information früher und ausführlicher erfolgen können. Derzeit befinden wir uns in einer Umweltverträglichkeitsprüfung. Das Verfahren sieht ausdrücklich die vollständige Offenlegung aller technischen Daten vor. Zudem ist eine Beteiligung der Bevölkerung vorgesehen.
Sie betonen, dass eigene Reststoffe verbrannt werden sollen. Um welche Materialien handelt es sich?
In unserer Produktion fallen Reststoffe an, die man nicht mehr recyceln kann – rund 12.000 Tonnen. Ein Beispiel sind etwa Fenster bei Briefkuverts.

Können Sie ausschließen, dass Hausmüll verarbeitet wird?
Es werden nur vorsortierte gewerbliche Reststoffe, Ersatzbrennstoffe oder Biomasse verwertet – keine schwarzen oder gelben Säcke. Für eine Aufbereitung unsortierter Abfälle ist es technisch gar nicht ausgestattet.
Warum sollten die Menschen dem Projekt vertrauen?
Weil auch wir hier zu Hause sind. Viele Mitarbeitende leben hier, ihre Kinder gehen hier in Kindergarten und Schule. Was wir uns wünschen, ist eine offene, sachliche Auseinandersetzung.
fakten zum geplanten Kraftwerk
Gesamtleistung: 200 GWh pro Jahr an Wärmeenergie
Benötigte Fläche: 3600 Quadratmeter, auf dem Firmengelände von Rondo
Bauhöhe: ca. 32 Meter