Leserbrief: Martin Buber und die Zensur

Auf den ersten Blick zwei vollkommene Gegensätze, die unvereinbar erscheinen. Buber steht für den wertfreien Dialog mit dem Anderen, kann man mit der Zensur, dem Zensor, einen solchen Dialog führen? Zensur, das Verweigern der Antwort (Flucht, aus dem Raum gehen), das Löschen von Nachrichten, Texten, die selektive Weitergabe von genehmen Nachrichten – verhindern, verunmöglichen diese nicht den wertfreien Dialog? Ich würde sagen: nein, im Gegenteil, nach Watzlawick kann man nicht nicht kommunizieren. Zensur ist für mich ein genauso wertvolles Informationsgegenüber wie ein Dialog. Es verrät mir mehr über den Anderen als jede Lüge, und was ich zu sagen habe, weiß ich ja bekanntlich. Zensur ist einzig für den Zensor ein Problem, er beraubt sich selbst seines Entwicklungspotenzials. Weshalb der Zensor in seiner Entwicklung Schritt für Schritt zurückfällt. Das letzte Mal, als ich Zensur und die Sperrung meines Accounts erlebt habe, war auf der Presse. Ich habe mich lustig gemacht über Reptiloiden – also wirklich, wie kann man als aufgeklärter Mensch an Echsenmenschen glauben. Muss wohl einen Nerv des Zensors getroffen haben. Um die Ursache für die Löschung des Postings zu finden, habe ich folgendes Posting geschrieben: “Bannwörterlistetest2: Zensor”. Nach diesem Hassposting wurde ich gesperrt. Sie sehen, man kann mit dem Zensor leben und kommunizieren.
Martin Lampert, Mäder