Aufwandspauschale
Zum VN-Artikel: Pädagog(inn)en begrüßen Aufwandspauschalen:
Die allermeisten Eltern haben großen Respekt vor der herausfordernden Arbeit der PädagogInnen und wissen, unter welch schwierigen Bedingungen sie täglich Übermenschliches leisten. Gleichzeitig bewegen sich auch Eltern in einem Spannungsfeld zwischen Fürsorge für ihre Kinder, Arbeitgeber-Erwartungen und strukturellen Rahmenbedingungen. Kaum jemand kommt absichtlich zu spät; Stau oder Unfälle sind höhere Gewalt. Systembrecher werden sich durch Aufwandspauschalen nicht vom Zuspätkommen abhalten lassen. Ist es verhältnismäßig für zehn Minuten Verspätung ein vierfaches des Kindergarten-Vormittagtarifs zu verlangen? Heute 10 Euro, morgen 30 Euro – je nach Gemeinde? PädagogInnen sollen Strafen an Eltern verteilen und sich damit zusätzliche Bürokratie aufladen? Viele Arbeitgeber sind familienfreundlich, doch ihr Verständnis endet, wenn die Kernarbeitszeit nicht eingehalten wird und man im Sommer später kommen und früher gehen möchte. Die Kinderbetreuung wurde doch längst ausgebaut! Wir tun so, als könnten Mütter problemlos halbtags arbeiten, nur weil fünf Stunden Betreuung gesetzlich verankert sind. Dabei werden Fahrzeiten und Wege nicht mitgedacht – das ärgert mich. Eine Mutter aus Langen kann unmöglich im nahegelegenen Bregenz vier Stunden (=halbtags) arbeiten bei einer reinen Autofahrzeit von 30 Minuten von der Ferienbetreuung in Sulzberg nach Bregenz. Eltern geraten unter Druck und die Leidtragenden sind die Kinder. Die Langener Mütter haben nun die freie Wahl: Strafe zahlen wegen zu spät kommen, Strafe zahlen wegen zu schnellem Fahren, wohnortnahe Arbeit in Langen/Doren/Sulzberg finden oder ihre Berufstätigkeit aufgeben.
Angela Schmid, Feldkirch