Leserbrief: “Rassismus nach dem Schlusspfiff”?

Leserbriefe / 21.07.2026 • 08:30 Uhr
Leserbrief: "Rassismus nach dem Schlusspfiff"?

Jetzt mal langsam, Herr Reiner. Zwar sind einige Ihrer Sichtweisen durchaus überlegenswert, aber wer so sprachgewaltig ist wie Sie, dürfte differenziertere Ausdrücke finden als plumpen “Rassismus nach dem Schlusspfiff”. Wenn Tirols Alt-LH Platter den Spieler David Alaba 2012 auf Englisch angesprochen hat, war er schlimmstenfalls tollpatschig, aber kein Rassist! Wenn Sie in zweiter Generation in Japan aufgewachsen wären, würde man Sie vermutlich lebenslang mit der Frage konfrontieren, woher Sie kommen. Sie könnten verschmitzt mit einem “Aus Jokohama!” antworten. Mir ist schon passiert, zugewanderte Menschen auf Hochdeutsch angesprochen und dabei eine Antwort im breitesten Dialekt eingeheimst zu haben, was mich zumindest innerlich schmunzeln ließ. Unhöflich, aber ebenso Lichtjahre von Rassismus entfernt ist es vielmehr, wenn Einheimische den Zugewanderten trotzig im Dialekt entgegentreten und nicht begreifen, wie schwer schon Hochdeutsch für sie ist, geschweige denn unsere exotischen Dialekte. Der Breitensport in unseren Vereinen ist tatsächlich ein Integrations-Katalysator wie kaum etwas anderes. Nachbarschaft und Arbeitsplatz sind das nur teilweise, weil sich Vorurteile auch verstärken können, und nicht jedes Vorurteil ist zwangsläufig falsch. Beide Seiten haben ihre persönlichen Erlebnisse, die ihnen unbenommen sind. Es ist nie leicht, von außen irgendwo “einzudringen”. Aber Tausende erfolgreicher Karrieren zeugen auch von gelungener Integration.

Gerald Grahammer, Lustenau