Leserbriefe: Gastronomie und Bregenzer Festspiele

Mit dem Beginn der Festspiele hebt sich nicht nur auf der Seebühne der imaginäre Vorhang, sondern in manchen Gastronomiebetrieben beginnt wieder eine eigene Vorstellung. Eine Mischung aus Zirkuszelt, Löwinger-Bühne, Monty Python und „Ein Käfig voller Narren“, garniert mit der Dramaturgie eines drittklassigen Kung-Fu-Films und einem Hauch Porno. Nicht alle Betriebe, aber erstaunlich viele. Mitarbeiter laufen hektisch kreuz und quer, Bestellungen verschwinden, Getränke landen am falschen Tisch, Geduld wird für Gäste zur wichtigsten Tugend. Unterbesetzte Teams, mangelnde Organisation und improvisierte Abläufe prägen vielerorts das Bild. Gleichzeitig werden Tische und Stühle in jede freie Ecke getragen, um noch den letzten Platz zu vergeben. Die Leidtragenden sind oft die Mitarbeiter, die unter enormem Druck arbeiten müssen. Umso bemerkenswerter ist, dass viele kleinere Familienbetriebe, darunter zahlreiche albanisch geführte Pizzerien, trotz hoher Auslastung zeigen, dass guter Service vor allem eine Frage von Organisation, Führung und Respekt ist. Die Festspiele stehen weltweit für Qualität und Präzision, vielleicht sollte sich auch die eine oder andere Gastronomie daran erinnern, dass diese Werte nicht nur auf der Bühne, sondern ebenso im Gastraum ihren Platz haben. Satirischer Beitrag zur Unterhaltung, bewusst überspitzt formuliert und zugleich als Anregung gedacht, über Servicequalität, Organisation und den respektvollen Umgang mit Gästen und Mitarbeitern nachzudenken.
Christian Amann, Bregenz