Leserbrief: Der rhetorische Betriebsunfall

Leserbriefe / 23.08.2026 • 15:15 Uhr
Leserbrief: Der rhetorische Betriebsunfall

Bundeskanzler Stocker wurde in Salzburg die Antwort auf die Frage einer Besucherin zum Verhängnis. Die Folge war fatal! Seine Antwort wird in die politischen Geschichtsbücher eingehen. Der parteipolitische Schaden ist also angerichtet. Trotzdem sollten wir die Kirche im Dorf lassen! Seine Antwort „Kinderbetreuung ist keine unbezahlte Arbeit“ ist in der momentanen Wahrnehmung eine klare Ansage gegen Mütter, die ihre Kinder betreuen. Sie ist aber auch mit einer großen Unschärfe behaftet. Denn in fünf Worten lässt sich Kinderbetreuung nicht beschreiben. Das wissen wir alle! Auch die Mütter! Stocker kann es nicht so gemeint haben! Stocker hat seine Meinung zur Kinderbetreuung dann auch genauer erläutert und sich zudem für diesen Sager entschuldigt – wenn auch verspätet! Seine fünf Worte wurden aber zum medialen Aufhänger. Für „rhetorische Betriebsunfälle“ gibt es keine Kaskoversicherung.
Politiker sind gut bezahlt, und denen sollte so etwas nicht passieren. Aber in der Sekunde auf eine unvorbereitete Frage richtig antworten zu müssen, ist nicht immer leicht. Stocker wurde für diese Tour schlecht vorbereitet! Die ORF-Affäre und der Ruck-Skandal sind noch zu zeitnah. Bei einer solchen Ländertour kann also jedes Bundesland zur Schlangengrube werden. Die Tour nach Salzburg wurde für Stocker zur Tortur!

Tone Schneider, Egg