Leserbrief: Kapitulation der Vernunft

Im August vor zwei Jahren hat die Klimaschutzgruppe “Letzte Generation” alle Aktivitäten aufgegeben. Ihre Anstrengungen für mehr Klimaschutz waren aussichtslos. Weder die Politiker:innen noch die Bevölkerung wollten sich der Realität stellen. Ob wir es sehen wollen oder nicht: Hitze und Trockenheit gefährden unsere Lebensgrundlagen mehr denn je, der Grundwasserspiegel sinkt, das Trinkwasser wird knapp, verheerende Brände gefährden Menschenleben und verursachen Milliardenschäden. Ein wichtiger Kipppunkt der Erderhitzung, die Erwärmung des Mittelmeeres, ist bereits – viel schneller als erwartet – eingetroffen. Das viel zu warme Mittelmeer fördert die Entstehung von Hitzewellen, verlängert die Dürreperioden und erhöht die Gefahr von heftigsten Stürmen und Starkregen sowie das Risiko von Großbränden. Alle Forderungen und Anliegen von Klimaforscher:innen und Aktivist:innen waren berechtigt. Sie hatten mit allem recht; nur in einem nicht: Die Klimakatastrophe kommt weit schneller und heftiger auf uns zu, als dies angenommen wurde. Was machen unsere Landespolitiker:innen? Sie bauen weiter an einem klimaschädlichen Betonspinnenmonster. Am Bau des Stadttunnels Feldkirch wird wider jede Vernunft festgehalten. Was bedeuten schon sinkende Grundwasserspiegel, unerträgliche Hitzeperioden, fehlendes Trinkwasser und verdorrte Ernten? Der klimaschädliche Verkehr braucht freie Fahrt durch neue Tunnel. Die Vernunft muss kapitulieren. Im Ernst jetzt?
Alice Hagen-Canaval (für die Initiative Klimaschutz – Erspart uns die Tunnelspinne), Lustenau