Leserbrief: Vorarlberg gibt die Natur auf – ein Armutszeugnis für unser Land

Leserbriefe / 28.09.2026 • 14:00 Uhr
Leserbrief: Vorarlberg gibt die Natur auf – ein Armutszeugnis für unser Land

Als ich von den geplanten Änderungen am Natur- und Landschaftsschutzgesetz hörte, konnte ich es kaum glauben. Der Naturschutzanwaltschaft – seit 1982 unabhängige “Stimme der Natur” – soll der Großteil ihrer Aufgaben entzogen werden: Bei 70 bis 80 Prozent aller Verfahren würde sie außen vor bleiben. Man spricht von “Doppelgleisigkeit” mit den Amtssachverständigen. Doch das verschweigt, dass die Naturschutzanwaltschaft eine völlig andere Rolle hat: Sie ist die einzige Stimme, die einzig der Natur verpflichtet ist – unabhängig, weisungsfrei, ohne wirtschaftliche Interessen. Diese Stimme will man zum Schweigen bringen. Auch wir, die Öffentlichkeit, verlieren: Die Naturschutzanwaltschaft unterliegt nicht der Amtsverschwiegenheit und macht Verfahren transparent. Fällt sie weg, verlieren wir den Einblick in Entscheidungen über unsere Landschaft. Besonders empört mich das Beschleunigungsargument: Es ist belegt, dass die Naturschutzanwaltschaft kaum Verzögerungen verursacht. Man opfert einen bewährten Schutzmechanismus für einen Effekt, der sich kaum bemerkbar machen wird – reine Symbolpolitik auf Kosten der Natur. Vorarlberg war einst Vorreiter mit der ersten Naturschutzanwaltschaft Österreichs. Andere Bundesländer haben längst nachgezogen und sind besser ausgestattet. Jetzt tritt Vorarlberg den Rückzug an und wird zum Schlusslicht. Ich fordere: Nehmen Sie Abstand von dieser Novelle. Erhalten Sie der Naturschutzanwaltschaft ihre Rechte – im Interesse unserer Natur und kommender Generationen.

Edwin Metzler, Feldkirch