Leserbrief: Strafmündigkeit ab zwölf Jahren?

Die Debatte über eine Strafmündigkeit ab zwölf Jahren zeigt, welcher Wahnsinn in manchen Köpfen herumgeistert. Wir verlagern das Problem fälschlicherweise auf die Kinder, anstatt es dort anzupacken, wo die wirklich Schuldigen sitzen: in jenen Kinderstuben, die es versäumt haben, ihrer Sorgfalts- und Erziehungspflicht nachzukommen. Ich sage immer wieder: Bei der Familienplanung muss man rechtzeitig berücksichtigen, dass Kinder nicht ewig Babys bleiben. Sie erreichen irgendwann ein Alter, in dem die Pubertät zur größten Herausforderung für junge Eltern wird. Genau in dieser sensiblen Phase das Handtuch zu werfen und die Erziehung schleifen zu lassen, ist das wahre Versäumnis. Für diesen Umstand, den wir jetzt in unserer Gesellschaft in erschreckender Weise wahrnehmen müssen, tragen die Eltern die Verantwortung. Eine bloße Herabsetzung der Altersgrenze bekämpft nur die Symptome, ignoriert aber die eigentliche Ursache. Ein unüberlegtes Absenken der Strafmündigkeit ist daher der völlig falsche Ansatz. Wir müssen die Eltern wieder in die Pflicht nehmen, anstatt die Fehler der Erziehung staatlich wegzusperren. Nur wenn in den Familien wieder echte Werte, Respekt und klare Grenzen vermittelt werden, können wir dieser besorgniserregenden gesellschaftlichen Fehlentwicklung nachhaltig entgegenwirken. Wer Kinder in die Welt setzt, darf sich der Verantwortung nicht entziehen.
Sabine Windberger, Bregenz