Leserbrief: Herbertingerleitung neu denken

In einer Zeit, in der die Bilder noch schwarz rauchende Industrieschornsteine als Symbole des Fortschritts zeigen, wurde die Herbertingerleitung von Bürs nach Herbertingen ohne Rücksicht auf den Naturschutz in die Landschaft geklotzt. Heute, 100 Jahre später, kann diese Leitungsführung nicht mehr Ausgangspunkt einer Neuverlegung sein, auch wenn das bequem wäre. Der aktuelle Fehlstart des Bewilligungsverfahrens ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Projektwerber nicht ehrlich sind. Die Kapazität der Leitung soll annähernd verdoppelt werden, damit sie den Strom zum und vom geplanten Großkraftwerk Lünersee II transportieren kann. Dann müsste alles aber auch gemeinsam in einem UVP-Verfahren verhandelt werden, gegen das sich die Projektwerber allerdings aus unverständlichen Gründen wehren. Niemand stellt das Erfordernis eines zukunftsfitten Starkstromwegenetzes infrage, aber für die Führung gibt es natürlich Alternativen, die allenfalls kurzfristig wohl mehr kosten, sich aber auf Dauer rechnen. Das müsste im weiteren Verfahren seriös verhandelt werden, anstatt wie ein Spitzenpolitiker vom Widerstand beleidigt zu sein.
Dr. Wilfried Ludwig Weh, Rechtsanwalt in Bregenz