Leserbrief: Schaumgebremster Heeresaufbau?

Seit Jahren fordern sicherheitspolitische Experten, dass Österreich dringend verteidigungsfähig werden muss. Eine effektive und umfassende Landesverteidigung ist anzustreben. Es wird von riesigen Investitionen gesprochen, die sich der hoch verschuldete Staat nicht leisten kann. Der Aufbauplan “Österreichisches Bundesheer 2032+” wird angepasst werden müssen. Im Rahmen der Wehrdienstreform kam die Dreierkoalition auf die fragwürdige Idee, drei Monate Milizübungen an einen kurzen Grundwehrdienst anzuhängen. Verpflichtende Truppenübungen waren für die meisten Wehrpflichtigen schon immer ein rotes Tuch. Sechs Monate Grundwehrdienst sind zu kurz. Er muss deshalb verlängert werden, sodass anschließend zwei Monate Milizübungen zur Erhaltung der militärischen Fähigkeiten und zum Kennenlernen des Einsatzraums genügen. Warum sollte man Soldat werden und im Einsatz sein Leben riskieren, wenn der Staat nicht einmal in Friedenszeiten einfache Probleme lösen kann? Die Bevölkerung steht der Politik eher skeptisch gegenüber, wenn es darum geht, eine gefährliche Krise zu bewältigen. Das Ergebnis ist bekannt: Nur ein geringer Teil der Österreicher wäre bereit, die Heimat mit der Waffe zu verteidigen. Viele Wehrpflichtige entscheiden sich daher für den Zivildienst als soziale Komponente. Dem Bundesheer fehlen Soldaten.
Kurt Gärtner, Wels