Leserbrief: Unterirdisches Rechenzentrum in Hohenems: Digitale Souveränität im Fels

Ein zukunftsweisendes Megaprojekt sorgt im Vorarlberger Rheintal für intensiven Gesprächsstoff. In Hohenems planen die Rhomberg-Gruppe und die Stadt den Bau eines unterirdischen KI-Rechenzentrums im Steinbruch Unterklien. Das Vorhaben mit geschätzten Investitionskosten von rund zwei Milliarden Euro verspricht eine technologische Vorreiterrolle für das Ländle. Befürworter verweisen auf die Chancen für den Wirtschaftsstandort. Durch die unterirdische Bauweise im ohnehin zu renaturierenden Steinbruch wird wertvolle Oberfläche geschont und zusätzliche Bodenversiegelung vermieden. Die Kaverne bietet natürliche Sicherheitsvorteile für sensible Daten. Zudem soll das Kühlwasser in einem geschlossenen Kreislauf zirkulieren und die entstehende Abwärme vollständig in das regionale Nahwärmenetz eingespeist werden. Die Stromversorgung wird redundant über regional erzeugte, erneuerbare Wasserkraft abgewickelt. Ziel ist die digitale Souveränität, um Daten heimischer Unternehmen unabhängig von ausländischen Großkonzernen in der Region zu halten. Der massive Energiehunger stößt jedoch auf Kritik. Zum Betriebsstart sind 50 Megawatt Leistung vorgesehen, was knapp zehn Prozent der regionalen Jahreshöchstlast entspricht und ein eigenes Umspannwerk erfordert. Naturschützer fordern daher eine genaue Prüfung der winterlichen Stromversorgung. Dennoch gab die Hohenemser Stadtvertretung den Plänen mit einer Mehrheit von 32 zu drei Stimmen bereits grünes Licht. Der Baustart könnte in zwei Jahren erfolgen.
Sabine Windberger, Bregenz