„Wir sind Bezugspersonen und keine Wärter in einem Zoo“

Wie Justizwachebeamte ihren Job, Auftrag und Alltag hinter Gittern sehen.
Feldkirch „Nach rund 15 Jahren Strafvollzug entwickelt man eine ganz besondere Menschenkenntnis“, sagt Ines Amann (34). Die Vorarlbergerin weiß, wovon sie spricht. Sie ist seit dem Jahr 2004 Justizwachebeamtin in der Justizanstalt Feldkirch. Ihre Aufgaben: Sachbearbeiterin der internen Ausbildungsstelle für Häftlinge und damit zuständig für deren Ausbildung. Denn die Insassen „liegen hier nicht nur rum in ihren Zellen“.
Resozialisierungsauftrag
Der Alltag hinter Gittern wird von Aktivität bestimmt. Und einem ganz bestimmten, wesentlichen Auftrag: Die Resozialisierung der Häftlinge und ihre Wiedereingliederung in die gesellschaftlichen Strukturen nach ihrer Entlassung. Sprich, ihnen einen „Halt“ zu geben für ihre Zukunft in Freiheit. Dazu gehören Verantwortung, Verständnis, Fingerspitzengefühl und die Fähigkeit, eine Vorbildfunktion auszuüben. Auch wenn das alles nicht immer leicht ist. Aber immerhin: „Zwei von zehn Insassen habe ich zu einem positiven Abschluss des Deutschkurses gebracht“, sagt die 34-Jährige nicht ohne Stolz. Das verleihe ihrem Beruf als Justizwachebeamtin einen besonderen Reiz. „Es ist mehr als nur Vollzugsbeamtin zu sein. Wesentlich mehr. Ich bin Bezugsperson für die Betroffenen. Der Reigen spannt sich sozusagen von der Sekretärin bis hin zum sprichwörtlichen ,Kindermädchen‘ für die Inhaftierten.“ Dazu zählt auch das Verfassen von Stellungnahmen zu Beschwerden.
Ines Amann ist zudem zuständig für die interne Bibliothek. Dann gibt es in der Justizanstalt noch Arbeitsbetriebe wie etwa Schlosserei und Tischlerei, aber auch Sportmöglichkeiten wie Tischtennis. Zusätzliche Mal-, Bastel- und Trommelkurse sind ebenso Mittel und Wege, den Insassen einen strukturierten Tagesablauf zu geben.
Die 34-Jährige bereut ihre Berufswahl nicht. „Die Arbeit ist erfüllend, abwechslungsreich und interessant. Ich fühle mich selbst ganz und gar nicht eingesperrt hier.“ Natürlich gäbe es unter den Insassen solche und solche. Darunter immer wieder psychisch Auffällige. „Aber Querulanten gehören eben auch zum System“, stellt die Beamtin klar. Dann kann es schon mal vorkommen, dass es zu Maßnahmen wie internen Hausarrest mit dem Verlust auf bestimmte Rechte für eine gewisse Zeit kommt.
Elektronischer Hausarrest
Amanns Kollege Bernhard Elsner (32) ist unter anderem zuständig für die Administration von Vollzugsakten in der Justizanstalt und Sachbearbeiter der besonderen Vollzugsform des elektronischen Hausarrests („Fußfessel“). Er war früher Justizwachebeamter in der Strafanstalt Stein, ehe er 2005 in die Justizanstalt Feldkirch wechselte. „Eine konträre Erfahrung“, sagt er.
Strafvollzug muss nicht unbedingt hinter Gefängnismauern stattfinden. Berufstauglichkeit und ein aktueller Job, grundsätzlich gut sozial integriert zu sein und die Erfüllung gewisser Rahmenbedingungen sind unter anderem Grundpfeiler für die Möglichkeit der Fußfessel außerhalb der Anstalt. Elsner kennt die Schritte, die ein solches Verfahren von Antragstellung bis hin zur Entscheidungsreife mit sich bringt. Der Justizwachebeamte zu seinem Berufsbild selbst: „Machtpositionen werden bei uns nicht missbraucht, wir sind Bezugspersonen und keine Wärter in einem Zoo.“ Der 32-Jährige ist wie seine Kollegin von seiner abwechslungsreichen und auch fordernden Aufgabe wie der Resozialisierung überzeugt. Und auch von der Sicherheit seines Arbeitsplatzes mit einer „für österreichische Verhältnisse guten Entlohnung“, wie er sagt.
„Zwei von zehn Insassen habe ich zu einem positiven Abschluss des Deutschkurses gebracht.“