Weniger Katholiken und rote Zahlen in Vorarlberg

Sanierungen belasten das Budget. Austritte sind leicht angestiegen.
feldkirch Jeder Austritt ist einer zu viel, sagt Pastoralamtsleiter Martin Fenkart. Dass sich in Vorarlberg im vergangenen Jahr 2797 Personen entschieden haben, der katholischen Kirche den Rücken zu kehren, müsse man dennoch akzeptieren, obwohl das Ländle neben Wien und Salzburg das einzige Bundesland ist, in dem die Austritte im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen sind. Österreichweit nämlich ging die Zahl zurück, von 54.969 Kirchenaustritten im Jahr 2016 auf 53.510 im vergangenen Jahr. In der Republik lebten Ende 2017 somit 5,11 Millionen Katholiken. In Vorarlberg verzeichnet die Diözese Feldkirch deren 236.101. Vor fünf Jahren waren es im westlichsten Bundesland noch knapp 9000 mehr.
Pastoralamtsleiter Fenkart bleibt trotzdem optimistisch: „Die katholische Kirche Vorarlberg läuft nicht mit einer Depressionsbrille herum“, sagt er. Schließlich gehören ihr noch 61 Prozent der Vorarlberger an. Den 2797 Austritten können außerdem 2443 Taufen entgegengestellt werden. 213 Männer und Frauen traten im vergangenen Jahr zudem in die Kirche ein.
Beiträge als Haupteinnahmequelle
Die Mitgliederzahl ist für die katholische Kirche von Bedeutung. Nicht zuletzt machen die Beiträge einen Großteil ihrer Einnahmen aus. Laut den Zahlen des Jahres 2016 hat die katholische Kirche in Österreich allein aus den Kirchenbeiträgen 451 Millionen Euro lukriert. Die Budgets der Diözesen blieben mit 604 Millionen Euro weitgehend stabil, insgesamt gab es ein positives Jahresergebnis. Lediglich drei Diözesen verbuchten am Ende des Jahres 2016 ein Minus. Dazu zählt auch jene in Feldkirch. Mit 1,21 Millionen Euro stand die dortige Diözese in der Kreide. Der Grund sei simpel, sagt Andreas Weber, Direktor der Finanzkammer der Diözese Feldkirch: „Wir haben in den letzten drei Jahren intensiv in die Sanierung des Marianums in Bregenz investiert, auch in die Renovierung des Hauses für die Jugend in St. Arbogast“, erklärt er. Diese Posten seien Einmaleffekte, ansonsten habe die Diözese ausgeglichen gewirtschaftet.
Insgesamt hat sie 29,46 Millionen Euro eingenommen, 80 Prozent davon stammen aus den Kirchenbeiträgen, rund zehn Prozent aus der staatlichen Abgeltung von NS-Schäden und sieben Prozent aus Erträgen der kirchlichen Tätigkeit. Letztere setzen sich vorwiegend aus Einnahmen durch Seminargebühren im Bildungs- und Jugendhaus St. Arbogast zusammen. Ein Teil der Erträge der kirchlichen Tätigkeit komme auch aus dem Marianum, wo rund 60 Studenten wohnen und Räumlichkeiten an den dortigen Kindergarten und die Schule vermietet werden. Auf der Ausgabenseite machen die Aufwendungen für die Pfarren den Hauptposten aus. 55 Prozent der Mittel fließen unter anderem in die dortigen Priester, deren Altersvorsorge und in die Pastoralassistenten. Die pastoralen Ausgaben sind mit 5,2 Millionen oder 17 Prozent der zweitgrößte Posten. Sie umfassen laut Weber u. a. die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern, die Seelsorge sowie das Ehe- und Familienzentrum. An dritter Stelle listen sich die Verwaltungskosten der Diözese mit 4,9 Millionen Euro bzw. 16 Prozent. Diese würden einiges abdecken, von der Finanzkammer selbst über die Buchhaltung bis zum Fuhrpark, erklärt Weber.
Insgesamt verfügt die Diözese Feldkirch über das drittkleinste Budget in der österreichischen Diözesanstruktur. Mit 24,5 Millionen Euro ist jenes in Eisenstadt noch geringer. Am wenigsten Einnahmen verbuchte 2016 aber die Militärdiözese, nämlich 1,8 Millionen Euro.
„Die katholische Kirche Vorarlberg läuft nicht mit einer Depressionsbrille herum.“

