Wo der beste Sommelier der Schweiz in Vorarlberg einkehrt

Lokal_N / 10.10.2024 • 14:38 Uhr
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Fabian Mennel beeindruckte in der Schweiz mit seiner Kompetenz. Und das obwohl die Konkurrenz in der Eidgenossenschaft groß ist. FA

Fabian Mennel überzeugt Gäste und Kritiker mit seinen Weinempfehlungen. Gault Millau kürte den jungen Götzner zum „Sommelier des Jahres 2025“.

Götzis, Wigoltingen Es ist die schönste Jahreszeit im Tessin – ein Ausflug bietet sich an. Den machte der Götzner Fabian Mennel – allerdings nicht mit seiner Frau Laura und dem Töchterchen Martha. Er fuhr mit seinem Chef in die exklusive Urlaubsregion. Der Anlass für den Ausflug: die Verleihung der Gault Millau-Hauben in der Schweiz. Der 33-jährige Mennel wurde allerdings nicht für die Kochleistung belohnt, er wurde zum Schweizer Sommelier des Jahres 2025 gekürt. „Das hätte ich nicht zu träumen gewagt“, so Mennel, denn in der Schweiz fallen ihm, ohne groß nachzudenken 15 Kolleginnen und Kollegen ein, die dieser Auszeichnung würdig wären.

Taverne Schäfli innen
Die Taverne zum Schäfli in Wigoltingen ist die Wirkungsstätte des Götzners. Küchenchef Christian Kuchler gilt als einer der besten Köche der Schweiz. FA

Die gestrengen Juroren ließen sich bei ihren Besuchen in der Taverne zum Schäfli in Wigoltingen von der hohen Kompetenz des jungen Götzners beeindrucken. Um rund 1000 Positionen – so heißen die verschiedenen Weine in der Fachsprache – kümmert sich Mennel. Seine Schwerpunkte sind natürlich auch die von ihm bevorzugten Weine: Burgund, Piemont sowie Amerika und die Neue Welt (Australien, Neuseeland, Südamerika). Patriot ist er geblieben: österreichische Weine trinkt und empfiehlt er gerne – auch die im Ausland weitgehend unbekannten Schweizer Weine – „da gibt es sehr gute Weine, aber die Menge ist so begrenzt, dass sie es meist nicht über die Grenze schaffen“. Seine Vorliebe gehört nicht den alkohollastigen Fruchtbomben, sondern leichten, eleganten Weinen. Bei Weiß wie bei Rot.

In die Wiege gelegt

Dem Sommelier des Jahres wurde die Liebe zum Wein praktisch in die Wiege gelegt. Vater Raimund ist begeisterter und geschätzter Weinhändler, der bei der Bodega Rioja Gastronomie und Privatkunden betreut und für den spanischen Wein begeistert. Es sei aber nicht so, dass er schon in früher Jugend Wein bekommen habe. Doch sie zu beurteilen, sie zu riechen und zu schmecken, das habe er schon früh lernen können.

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Auch zuhause ist für den jungen Sommelier mit langer Erfahrung der Rebensaft wichtig, wie er beim Gespräch mit den VN zeigt. VN/sca

Auf die Weinspur gebracht, machte er an der Hotelfachschule Bezau die Ausbildung zum Jungsommelier. Weil er sich nicht so sehr für die Kellertechnik begeistern konnte, scheiterte er bei der ersten Prüfung bei Sommelier-Legende Willi Hirsch. Die Scharte wetzte er aus und mehr als das, wie die Verleihung der Schweizer Gault Millau-Auszeichnung zeigt. „Mein wichtigster Förderer war Christoph Diem vom Gämsle in Dornbirn. Dort war ich nach der Schule oft, um mein Weinwissen zu verbessern“, erinnert er sich dankbar und rät Interessierten: „Viel probieren, viel trinken“. Natürlich gab er sein Wissen nicht von Beginn an in der Schweiz weiter: „Nach der Schule bin ich direkt an den Arlberg gegangen“. Zu den Besten: Er arbeitete zehn Jahre in der Griggeler Stuba und im Burg Vital Resort. Bei Spitzenkoch Thorsten Probost und Hotelier Thomas Lucian entwickelte er sich weiter, war sechs Jahre lang auch Restaurantleiter. Für einen jungen Sommelier besonders wichtig: Der Weinkeller zählt zu den besten weltweit.

Zeit für die Familie

In Lech lernte er auch seine Frau Laura kennen, sie arbeitete ebenfalls in der Gastronomie. Mit ihr zusammen gründete er eine Familie und das änderte alles: „Aber Lech ist nicht familienfreundlich“ stellt er fest, denn inzwischen fordert auch Töchterchen Martha Zeit. Die Arbeit in der Schweiz sei ideal: in der Taverne zum Schäfli gibt es eine Viertage-Woche. Die Anfahrt nach Wigoltingen dauert etwa gleich lang wie nach Lech. Die Schweiz ist trotz der Nähe aber anders: Die Schweizer gehen nach wie vor gerne und oft ins Restaurant.“ Ein feines Essen werde zelebriert und sei in der Spitzengastronomie nicht teurer als in Österreich. „Wir haben Gäste aus allen Schichten“, berichtet er. Dass auch der Zahltag stimmt, rundet das Bild ab.

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Die Freude über einen guten Tropfen ist echt: Mennel ist mit Leib und Seele Sommelier. FA

Der Verunsicherung, die es bei etlichen Gästen bei Weinempfehlungen durch den Sommelier gibt – die Weine könnten zu teuer sein – begegnet er mit Gespür: „Ich frage Gäste immer nach ihrem Lieblingswein“, erzählt er aus dem Berufsalltag. Und entsprechend sei dann auch die Empfehlung. Laura und Fabian schätzen die Vorarlberger Gastronomie und gehen gerne aus. „Am liebsten zu Dietmar Nussbaumer in die Krone Hittisau“, gibt er den Geheimtipp der Familie bekannt. Gastfreundschaft, ausgezeichnete Küche und die Weinkarte sind die Parameter, welche die Mennels überzeugen. Auf alkoholfreie Alternativen, die immer mehr Restaurants anbieten, ist der Götzner übrigens nicht spezialisiert. „Das macht meine Kollegin sehr gut. Ich bin persönlich der Meinung, dass zu einem Essen ein guter Wein gehört.“

Trotz des großen Interesses in der Branche und entsprechenden Angeboten, „sehe ich keinen Grund wegzugehen“ aus der Taverne zum Schäfli. Mit Christian Kuchler, einem der besten Köche der Schweiz, mache die Arbeit Freude. Sieht er in eine fernere Zukunft, könnte er auch vorstellen, eine Weinhandlung zu führen.

Zur Person

Fabian Mennel

Geboren 12. August 1993

Wohnhaft Götzis

Beruf Sommelier und Restaurantleiter

Familie verheiratet mit Laura, Tochter Martha

Lieblingsspeise Der Steinbutt vom Grill im Elkano (Baskenland)