Letzter Akt im Vorarlberg-Kapitel eines weltweit bekannten Edelstahlspezialisten

Markt / 16.04.2026 • 15:36 Uhr
KWC professional.jpg
Die Produkte der Firma, die inzwischen im Eigentum eines französischen Familienunternehmens ist, sind im Sanitär- und Gastrobetrieb als besonders hochwertig bekannt.

Vor 64 Jahren gegründet und nach vielen Jahrzehnten Erfolgs beendet der Edelstahlverarbeiter aus der Schweiz mit Jahresende seine Präsenz im Land. Die Firma spricht von “Teilschließung”.

Hard Die Niederlassung des Schweizer Weltkonzerns Franke in Hard war über Jahrzehnte eine Erfolgsgeschichte. Nun neigt sie sich endgültig dem Ende zu. Die Firma KWC-Professional war der letzte Betrieb des Schweizer Edelstahlspezialisten in Hard und der steht vor der Schließung. 2025 wurde das Unternehmen (ursprünglicher Name: “Franke Water Systems”) bereits vom französischen Mitbewerber Delabie, der seinen Sitz in der Region Hauts-de-France hat, übernommen. Das Unternehmen firmiert noch bis Ende des Jahres unter dem Namen KWC Austria GmbH am Oberen Achdamm in Hard, wo Franke vor Jahrzehnten zu den bedeutendsten Produktionsbetrieben im Verbund des Schweizer Konzerns zählte.

Investitionen in Produktion

1962 wurde das Werk in Hard eröffnet. Über die Jahre wurde im Produktionsbetrieb direkt am Hafen gefertigt, bevor man in das großzügig ausgelegte Werk am Oberen Achdamm übersiedelte. Die Geschäfte liefen so gut, dass noch im ersten Jahrzehnt der 2000er-Jahre in die Erweiterung investiert wurde. 2005 meldete Franke einen Umsatz von 21 Millionen Euro und beschäftigte 122 Mitarbeiter.

Blum Beschläge übernimmt Franke Real Estate und damit das Franke-Areal. Firma
Blum Beschläge übernimmt im Jahr 2018 Franke Real Estate und damit das Franke-Areal. Fa

Der Ausstieg von Franke aus dem Vorarlberger Standort begann 2012 mit einer positiven Zukunftsaussicht: In Hard sollte international der Vertrieb von Waschraum- und Sanitärlösungen konzentriert werden, ein Hochregal wurde gebaut und der 50. Geburtstag gefeiert. Im selben Jahr wurde die Produktion von Edelstahl-Großküchenkomponenten eingestellt bzw. von FHE Gastro übernommen und ist inzwischen die FHE Edelstahl Produktion GmbH und mehrheitlich im Besitz der FHE Vertriebs- und Gastronomieeinrichtungen GmbH, die bereits ebenfalls eine Ausgründung ehemaliger Servicemitarbeiter ist und inzwischen 180 Mitarbeiter an mehreren Standorten beschäftigt.

2015 Verkauf von KWC Professional

Im Jahr 2018 wurde – nachdem die Produktion kontinuierlich heruntergefahren wurde – das Firmenareal an den Höchster Beschlägehersteller Blum verkauft. Die größtenteils mit Industriegebäuden bebauten Grundstücksflächen dieser Liegenschaft umfassen mehr als 17.000 Quadratmeter. In Hard blieben noch Verkauf und Kundendienst für bestimmte Regionen situiert.

Schließlich verkaufte der Schweizer Konzern 2025 auch seine Sanitärarmaturen- und -ausstattungssparte Franke Water Systems, die zu diesem Zeitpunkt als KWC Professional europaweit tätig war, und damit auch die KWC Austria GmbH an die familiengeführte Delabie Gruppe, die damals in einer Mitteilung betonte, durch die Übernahme ihr Produktangebot sowie die Marktpräsenz insbesondere in Deutschland, Österreich und der Schweiz auszubauen. Am Standort Österreich waren zu diesem Zeitpunkt noch 21 Mitarbeiter beschäftigt. Vor Kurzem wurden diese Mitarbeiter darüber informiert, dass Delabie die Aktivitäten an seinem deutschen Standort konzentriert. Die Niederlassung in Hard werde mit Ende des Jahres den Betrieb einstellen. Ende des Jahres soll auch der Mietvertrag auslaufen. Der Geschäftsführer der KWC Austria, Manuel Harnischmacher, wollte dazu auf VN-Anfrage nicht Stellung nehmen und verwies auf eine entsprechende Medienmitteilung des Unternehmens.

Delabie.jpg
Der Besitzer von KWC Austria ist Delabie, ein hundertprozentiges Familienunternehmen mit Sitz in Friville, wurde 1928 gegründet und ist europäischer Marktführer für Sanitärarmaturen und -Ausstattungen für den öffentlich-gewerblichen Bereich.  FA

Sicher ist: 15 Mitarbeiter, die in Hard arbeiten, sind von der Schließung betroffen, wie die VN aus zuverlässiger Quelle im Unternehmen als auch von Arbeitnehmervertretern erfahren hat. Für die betroffenen Mitarbeiter sei ein Sozialplan in Verhandlung, man gehe aber auch davon aus, dass etliche in den nächsten Monaten einen neuen Arbeitsplatz finden. In der Firma verbleiben den Informationen zufolge fünf Vertriebsmitarbeiter. Deshalb spricht die Firma von “Teilschließung”.