’s Füferle und ’s Weggle
Dem Volksmund ist seit Jahrhunderten bekannt, dass man nicht „’s Füferle und ’s Weggle“ gleichzeitig haben kann, und doch gibt es immer wieder Versuche, beide Vorteile unter einen Hut zu bringen. Besonders eine Spezies übt sich seit Jahren in diesem Kunststück und lässt sich auch durch Rückschläge nicht entmutigen.
Weltweit trainieren Politiker diesen Zaubertrick und werden auch nicht müde, das werte Publikum davon zu überzeugen, dass er klappt. Auch die ansonsten sehr realistischen Vorarlberger Politiker machen bei dieser Tradition keine Ausnahme. Das zeigen sie mit Ausdauer bei einem Thema, das die Menschen in den Dörfern und Städten unseres Landes wirklich angeht: bei der Nahversorgung. In beinahe jedem Papier, das die Landesregierung veröffentlicht, wird die Förderung des ländlichen Lebensraums beschworen. Mit Gasthaus und Lädele und was es sonst noch an Infrastruktur braucht. Und die Förderung für den Erhalt der Nahversorger wird auch jährlich erhöht. Für 2013 sind 1,2 Millionen Euro vorgesehen, um die kleinen Läden künstlich am Leben zu erhalten. Soweit zum Füferle.
Jetzt zum Weggle: Auf große Lebensmittelmärkte am Rande der Städte und größeren Ortschaften wollen Gemeinden und Land trotz des Bekenntnisses nicht verzichten. Ihm sei kein Fall bekannt, wo ein solcher Großmarkt abgelehnt wurde, gab der Interessenvertreter des Handels im Gespräch mit den VN zu Protokoll. Dem Beobachter bietet sich immer wieder das gleiche Bild: Egal wie die Empfehlungen der Experten waren, egal was die Anrainer (sowohl Gemeinden als auch Bürger) davon halten – im Raumplanungsbeirat, in dem Mitglieder der Kammern und Lobbyisten ihren Einfluss geltend machen, ist noch jedes EKZ-Projekt durchgewinkt worden. Es habe gute Gründe, dass das Land die Liste der Mitglieder – die den VN vorliegt – unter Verschluss halte, sagen Opposition und Raumplaner, die den Zickzackkurs der Regierung in Sachen Nahversorgung schon länger kritisieren.*
Zurück zum Kunststück: Es wird auch LSth. Karlheinz Rüdisser nicht gelingen. Er ist gefordert, endlich einen klaren Kurs zu fahren. Und wenn man die Lädele will, dann soll das Land das bezahlen. Und die Kunden, die es fordern, sollten auch tatsächlich dort einkaufen.
*Übrigens: Einer der größten Projektentwickler des Landes ist im Gremium mit zwei Personen vertreten, als einziges Unternehmen Vorarlbergs.
andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862
Kommentar