Tankstellen als neue Nahversorger

Markt / 06.02.2013 • 20:46 Uhr
Werner Riedmann überzeugt im Altacher Markt der Familie mit außergewöhnlichem Service. Foto: VN/Paulitsch
Werner Riedmann überzeugt im Altacher Markt der Familie mit außergewöhnlichem Service. Foto: VN/Paulitsch

Die Situation für kleine Nahversorger wird nicht einfacher, seit die Tankstellen mitmischen.

Schwarzach. Während das Land mit der Landesraumplanung Einkaufszentren durch Umwidmungen außerhalb der Wohnballungsräume ermöglicht und Verkehr induziert, werden andererseits dadurch die Innenstädte und kleinen Nahversorgermärkte konkurrenziert und verlieren. Der Laden in Thal bei Sulzberg hat damit zu kämpfen, dass an der Hauptverkehrsader in Bregenz-Kronhalde ein modernster Spar-Markt errichtet wurde, in dem jetzt viele potenzielle Kunden aus dem Dorf einkaufen, weil er günstig liegt und ein großes Angebot hat. Hier sind die Dorfbewohner gefordert: Während die einen „gute“ Kunden sind, ist der kleine Nahversorgermarkt für andere nur Lückenbüßer.

Rankweil versucht den Lebensmittelhändler Sutterlüty zu einem Deal zu bewegen. Für einen neuen Standort am Rand der Marktgemeinde soll er sich verpflichten, im Zentrum einen 400-Quadratmeter-Markt zu betreiben. Dieser soll dann den Vinomnamarkt beleben und gleichzeitig im Zentrum von Rankweil die Nahversorgung sichern. „Kostendeckend kann so ein Markt nicht betrieben werden“, ist sich Alexander Kappaurer von Sutterlüty sicher. Aber neben den regionalen Produzenten setze sich Sutterlüty als regionaler Anbieter eben auch für eine funktionierende Nahversorgung ein, so der Manager.

Politik mit zwei Gesichtern?

Einerseits werden also im Bundesland Vorarlberg immer wieder große Märkte auf der grünen Wiese errichtet, andererseits muss die Nahversorgung mit öffentlichen Mitteln immer großzügiger unterstützt werden. Ob es zu weiteren Kostenbeteiligungen der EKZ-Betreiber für Infrastrukturmaßnahmen wie beim Kaufhaus der Wälder in Egg kommt, wird sich weisen. Auch wird von Raumplanerseite immer wieder von einer Parkplatzbewirtschaftung bei EKZ gesprochen, wie sie beispielsweise der Rheinpark in St. Margrethen einführen musste. Dort hat diese Maßnahme zu einer Stärkung der umliegenden kleineren Märkte geführt, wie die Migros feststellte.

Derzeit scheint aber den Einkaufszentren außerhalb der Innenstädte und mit verkehrsfördernden Standorten die Zukunft zu gehören. „Die Novelle des Raumplanungsgesetzes 2006 hat auch dazu geführt, dass manches EKZ-Ansinnen auf der grünen Wiese in einer besser verträglichen Form gestellt wurde.“ Die großen Strukturveränderungen seien schon passiert, sagt Julius Moosbrugger von der Wirtschaftskammer. Es falle ihm aber auch kein Projekt ein, das nicht realisiert werden konnte. Ein Beispiel: der Hofer-Markt in Alberschwende. Dieser wurde von der Landesraumplanung negativ beurteilt und abgelehnt. Ein Besuch des Alberschwender Bürgermeisters mit der gesamten Gemeindevertretung beim damaligen Landeshauptmann kippte die Beurteilung zugunsten des Diskonters. Die Förderpolitik zeigt auf, dass der Strukturwandel noch nicht abgeschlossen ist, denn im Dezember 2012 wurde das bisherige Fördervolumen des Landes für die kleinen Nahversorger bei Bedarf verdoppelt. Auch hat sich seit 1990 die Zahl der Lebensmitteldiskonter von 19 auf 30 erhöht, die Verkaufsfläche sogar von 5600 auf 17.600 Quadrat­meter. „Die Diskonter stehen mit dieser Entwicklung in einem Verdrängungswettbewerb zum traditionellen Lebensmittelhandel, der vor allem zu Lasten von Vollsortimentern mit einer Fläche bis 400 Quadratmetern geht“, konstatiert die Wirtschaftskammer.

„Eine Unterscheidung zwischen Vollsortimentsanbietern und Teilsortimentern wäre aber nötig, denn die Rentabilität der Diskonter ohne Vollsortiment ist ungleich höher, ihr Beitrag zur Nahversorgung aber ungleich niedriger“, stellt Kurt Bereuter vom Vorholz-Institut fest. Aber: „Dass die Raumplanungspolitik versagt, weil sie eine geordnete Strukturentwicklung und Wettbewerb zulässt, halte ich für eine nicht zulässige Schlussfolgerung“, meint Moosbrugger (WKV).

Sutterlüty ist sich der Verantwortung für regionale Produzenten und für Nahversorgung bewusst.

Alexander Kappaurer