Ostschweizer scheuen das Geschäft über die Grenze

Wenig Interesse an Geschäften mit Vorarlberg haben Ostschweizer Unternehmer.
Schwarzach. An gut gemeinten Versuchen mangelt es nicht. Seit Jahren, ja seit Jahrzehnten bemühen sich Unternehmerverbände rund um den Bodensee mit Aktionstagen, mit Tischmessen, mit Unternehmergesprächen und anderen Maßnahmen der „Euregio Bodensee“ Leben einzuhauchen. Und seit sie das tun, müssen sich die „Handelskämmerer“ rund um den See eingestehen, dass das gegenseitige Interesse der Unternehmer enden wollend ist.
Umso bitterer muss für sie nun die Meinung von Ostschweizer Unternehmern sein, die den Autoren der Studie „Ostschweizer KMU und der Bodenseeraum“, die von der Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV) in Auftrag gegeben wurde, in den Notizblock diktierten, dass „grenzüberschreitende Unternehmensnetzwerke notwendig und wichtig“, diese aber nur selten grenzüberschreitend ausgelegt seien.
Es habe sich zwar einiges getan, sagte der Auftraggeber der Studie, BTV-Schweiz-Leiter Gerhard Burtscher, gegenüber den VN, aber das Interesse sei doch eher begrenzt. Die Schweizer Unternehmer sehen in der vom renommmierten Schweizer Insight-Institut durchgeführten Umfrage zwar sehr wohl das Potenzial diesseits des Rheins und glauben, dass der Standort Vorarlberg (und natürlich die deutsche Bodenseeregion) interessante Märkte seien. Taten folgen dieser Einsicht freilich nicht.
Schwerpunkt Heimatmarkt
Die Studie offenbart, dass die Ostschweizer Unternehmen praktisch zu 100 Prozent von der Euro-Krise betroffen sind und als Konsequenz daraus – nobel ausgedrückt – sich auf den Heimatmarkt zurückgezogen haben. Burtscher: „Die Schweiz als Absatz- und Beschaffungsmarkt ist in den letzten Jahren besonders attraktiv geworden.“ Die „Wagenburg-Mentalität“ hat natürlich auch für die Vorarlberger und deutschen Unternehmen unangenehme Folgen. Mit protektionistischen Maßnahmen versuchen sich die Schweizer Unternehmer vor Konkurrenz zu schützen. Zu spüren bekommen das seit Jahren die Vorarlberger Handwerker, von denen viele aber inzwischen Ableger über dem Rhein installiert haben, wie Burtscher bestätigt.
Die Scheu der Schweizer vor grenzüberschreitenden Kooperationen bzw. Geschäften nimmt einen Bereich aus: Nach wie vor nutzen die Unternehmen in der Ostschweiz das Fachkräftepotenzial im Bodenseeraum. „Qualifiziertes Personal ist im benachbarten Raum leichter zu finden als in der Schweiz.“ Umfrage-Auftraggeber BTV sieht ebenfalls Chancen. Burtscher: „Wir wollen Netzwerke schaffen.“
Das Potenzial haben die Ostschweizer Unternehmer erkannt. Aber der Graben ist sehr tief.
Gerhard Burtscher, BTV
Insight-Umfrage
» Methode: In-Depth-Interviews
» Befragte: 19 Unternehmen (CEO oder CFO) mit 50 bis 900 Mitarbeitern
» Auftraggeber: BTV Schweiz, Standort Staad. 45 Mitarbeiter, Schwerpunkt Firmenkunden