“Über die Medien erfahren”: Rondo reagiert auf Gemeinde-Entscheidung

Markt / 20.04.2026 • 14:32 Uhr
"Über die Medien erfahren": Rondo reagiert auf Gemeinde-Entscheidung

Unternehmen reagiert überrascht auf negative Stellungnahme. Landesrat Tittler stellt sich hinter Projekt.

Bregenz, Frastanz Am Donnerstagabend hat die Gemeindevertretung Frastanz dem geplanten Reststoffkraftwerk von Rondo Ganahl eine deutliche Absage erteilt. Im laufenden Umweltverträglichkeitsverfahren (UVP) wurde einstimmig eine negative Stellungnahme beschlossen.

Aus den Medien erfahren

Nun reagiert auch das Unternehmen, das seit mehr als 100 Jahren seinen Sitz in Frastanz hat. Rondo-Vorstandsvorsitzender Hubert Marte zeigt sich überrascht und sprachlos über die Entscheidung der Standortgemeinde. “Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Gemeinde Frastanz unser Zukunftsprojekt nun entgegen vieler positiver Rückmeldungen offiziell ablehnt. Bedauerlicherweise haben wir von dieser Entscheidung nicht im direkten Austausch, sondern über die Medien erfahren”, sagt Marte.

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Rondo-Vorstandsvorsitzender Hubert Marte wurde von der Entscheidung der Gemeinde überrascht.Rondo

Ein konstruktiver Dialog mit der Standortgemeinde wäre aus Sicht des Unternehmens weiterhin wünschenswert gewesen. “Wir stehen nach wie vor für eine sachliche Auseinandersetzung zur Verfügung”, sagt Marte. Gleichzeitig verweist Rondo auf das laufende UVP-Verfahren. Alle Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit würden darin unabhängig geprüft, bewertet und offengelegt. “Nun sind die Behörden am Zug. Wir haben Vertrauen in das Verfahren und sind überzeugt, dass alle Aspekte bewertet werden und so Rechtssicherheit für alle geschaffen wird”, erklärt Marte.

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Seit der Vorstellung des Projektes habe Rondo mehrfach über die Pläne informiert, etwa im Rahmen von Gemeindevertretungssitzungen, auf der Website oder auf Einladung politischer Vertreter sowie interessierter Bürger in bilateralen Formaten. Nicht zuletzt wurde die bewusste Entscheidung für eine Umweltverträglichkeitsprüfung getroffen, um das Projekt transparent und öffentlich zu machen. Künftig werde man aber an öffentlichen politischen Großveranstaltungen – etwa der Informationsveranstaltung des Grünen Landtagsklubs – nicht mehr teilnehmen.

Kritik aus dem Landhaus

Auch aus der Landespolitik kommt Kritik an der Entscheidung der Gemeinde. Wirtschaftslandesrat Marco Tittler zeigt sich überrascht über die ablehnende Haltung zum Projekt. “Die Sicherstellung einer verlässlichen Energieversorgung ist eine zentrale Aufgabenstellung eines jeden Unternehmens, insbesondere für energieintensive Produktionsbetriebe in energiepolitisch herausfordernden Zeiten wie diesen”, stellt Tittler klar.

"Über die Medien erfahren": Rondo reagiert auf Gemeinde-Entscheidung
Wirtschaftslandesrat Marco Tittler zeigt sich über den Entscheid in Frastanz überrascht.vmh

Ist eine Kernaufgabe

Rondo Ganahl sei mit rund sieben Prozent Anteil am gesamten Vorarlberger Gasverbrauch der größte Energieverbraucher des Landes. Mit dem geplanten Reststoffkraftwerk könne das Unternehmen seinen künftigen Wärmebedarf eigenständig und nachhaltig decken. Die Aussage, der Bau solcher Anlagen sei nicht Aufgabe von Unternehmen, weist Tittler zurück: “Die Energieversorgung eines Betriebs zählt selbstverständlich zu dessen Kernverantwortung. Gemeinden haben wiederum die Aufgabe, Unternehmen in ihrer Entwicklung zu begleiten.”

Kritisch sieht der Landesrat auch das von der Gemeinde angeführte Natura-2000-Gebiet in rund zwei Kilometern Entfernung. “Eine derart weite Auslegung würde in vielen Bereichen zu faktischer Handlungsunfähigkeit führen”, sagt Tittler. Die fachlichen und rechtlichen Verfahren seien der richtige Rahmen, um Umwelt- und Schutzinteressen sorgfältig abzuwägen.

Die Rondo Ganahl AG mit Stammsitz in Frastanz ist spezialisiert auf die Produktion individueller Außenverpackungen aus Wellpappe und maßgeschneiderter Innenverpackungen aus Faserguss, die Herstellung von Wellpappe-Rohpapieren sowie die Altpapier-Verwertung. Die Wurzeln des Unternehmens in Familienbesitz reichen bis ins Jahr 1797 zurück. An mehreren Standorten in Österreich (Vorarlberg, Steiermark und Tirol) und Rumänien (Apahida/Cluj, Târgoviște und Sibiu) sowie je einem Werk in Deutschland und Ungarn beschäftigt Rondo heute mehr als 1800 Mitarbeitende.