Keine Abzocke in Vorarlberg
Die Schweizer haben ihren Topmanagern eine schallende Ohrfeige verpasst. Fast 70 Prozent haben sich am Sonntag für strenge Kontrollen und harte Strafen für gierige Manager ausgesprochen. Eine der höchsten Zustimmungen, die es jemals bei einer Abstimmung in der Schweiz gegeben hat. Die Schweiz, Hort des Kapitalismus und Finanzplatz Nr. 1 der Welt, ist mitnichten zu einer roten Wagenburg geworden, die nun gegen Firmen und Unternehmer kämpft. Der Chefredaktor des „St. Galler Tagblatts“, Philip Landmark, der an der Initiative doch einiges auszusetzen hat, schätzte das Abstimmungsverhalten richtig ein. „Die Menschen finden es einfach unanständig, wie sich einige hier bereichern.“
In Vorarlberg hätte eine solche Abstrafung von Abzockern wenig Chance auf Erfolg: Es gibt nämlich die Abzocker nicht. Nicht in den wenigen Aktiengesellschaften des Landes und nicht in den vielen Familienbetrieben, die auch heute noch die „Top 100“ (die heute Abend präsentiert werden) dominieren. Die größten Vorarlberger Unternehmer leben nicht abgehoben, sie sind in den meisten Fällen in ihren Gemeinden tief verwurzelt, mit vielen ihrer Mitarbeiter aufgewachsen und in den Vereinen tätig. Mit dieser Vita bleibt man am Boden, leistet seinen Beitrag zum sozialen Leben und kümmert sich um Mitarbeiter und Mitbürger.
Die Ausnahmen bestätigen die Regel. Selbstverständlich kann auch ich aus dem Stand eine Handvoll Manager nennen, die jegliche Sozialkompetenz vermissen lassen – die werden immer weniger. Aber ich kann viel mehr Chefs und Unternehmer in Vorarlberg aufzählen, die ihre Verantwortung wahrnehmen, die sich um die Ausbildung ihrer Mitarbeiter ebenso kümmern wie um deren private Sorgen, Unternehmer, die auch in schwierigen Zeiten keine Entlassungen vornehmen. Vorarlberg als Exportweltmeister kann sich natürlich nicht von globalen Entwicklungen abkoppeln – nicht immer ist das gemeinsame Schaffen von Erfolg gekrönt. Und manchmal sind auch unternehmerische Fehlleistungen der Anlass für Entlassungen. Im Großen und Ganzen aber und auch wenn man kritisch hinter die Kulissen schaut, an dieser Stelle ein Dank an diese verantwortungsvollen Unternehmer.
andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862
Kommentar