Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Überraschen Sie uns, Herr Kaske

Markt / 13.03.2013 • 22:46 Uhr

Das war klar: Rudolf Kaske, neuer Arbeiterkammer-Präsident, hat gestern die Eckpunkte seines Programms vorgestellt. Und was sollte er denn anderes fordern als das, was heute alle fordern: Vermögen besteuern, Managergehälter beschränken, Unternehmer in die Schranken weisen. Schön und gut, das will heute die Mehrheit der Bevölkerung, und das zu Recht. Doch die Menschen wollen auch und vor allem eine neue Politik.

Sie wollen keine Apparatschiks mehr, die im System groß geworden sind und jetzt versuchen, ihre Besitzstände zu wahren. Kaske ist so ein Funktionär reinster österreichischer Sorte, ein Funktionär jenes ÖGB, der Revolution predigt, aber seine Bank für Arbeit und Wirtschaft in beispielloser Weise versenkt hat. Der Arbeiterkammer-Präsident hat sich in den vergangenen Jahren zwar als zäher Verhandler mit den Funktionären der Wirtschaft einen Namen gemacht – weil er Justamentstandpunkte einnahm, statt einmal über neue Ideen nachzudenken. Das will er nicht und das wollen im Grunde auch seine Verhandlungspartner nicht. Neue Ideen sind Gift für ein System, das in Jahrzehnten herangereift ist. Ein System, das vielleicht einmal nützlich war, das aber keine Innovationen zulässt. Ein System, das einen guten Teil zur Politikverdrossenheit und zur Unbeweglichkeit in unserem Lande beigetragen hat.

Das funktioniert in beide Richtungen: Arbeitnehmer-vertreter blockieren alles, was ihre Macht schmälern könnte und verhindern z. B. maßgeschneiderte Vereinbarungen auf Betriebsebene. Die Delegierten der Arbeitgeber blockieren gute Ideen der Gegenseite, weil damit „ein Tor geöffnet werden könnte“. Dieses System behagt den Menschen nicht mehr. Sie haben den alten Ideologien eine Absage erteilt, und sie wollen Antworten. Nicht neue Antworten, sondern richtige Antworten. Und sie hören doch nur die ewig gleichen Plattitüden von Leuten, die immer an der richtigen Stelle sind.

Um zu zeigen, dass von ihm keine Impulse zu erwarten sind, dass er auch in Zukunft das „Rot-Schwarz“-Muster anwenden wird, stellte der neue Präsident gestern denn auch die erwartbare Frage zu den Lehrabschlussprüfungen: „Wer bildet denn die Lehrlinge offenbar zu wenig aus?“ Wäre der Berufsfunktionär manchmal dort, wo das Leben spielt, wüsste er, dass sehr viele Unternehmen hervorragend ausbilden und etliche Jugendliche ein Bildungsdefizit haben. Und dass es auch in Schulen Sitzenbleiber gibt. Aber vielleicht überrascht uns Herr Kaske ja noch.

andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862