VKW-Rückzug von der Börse lohnt sich

Markt / 22.03.2013 • 22:18 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die VKW-Vorstände Christof Germann und Ludwig Summer machen den Kleinaktionären ein gutes Angebot. Foto: VN/Paulitsch
Die VKW-Vorstände Christof Germann und Ludwig Summer machen den Kleinaktionären ein gutes Angebot. Foto: VN/Paulitsch

Rund 11 Millionen Euro erspart sich die VKW durch den Rückzug von der Wiener Börse.

Bregenz. Gestern um 16.45 Uhr war es klar. Das Abenteuer Börse ist für die Vorarlberger Kraftwerke beendet. Die Aufsichtsräte von VKW und Illwerke, die zu großen Teilen gleich besetzt sind, haben gestern den Rückzug von der Börse Wien beschlossen. Die Aktie werde kaum gehandelt, ist aus Banken- und VKW-Kreisen zu erfahren. 219.623 VKW-Aktien gibt es, das Handelsvolumen beträgt 3215 Aktien, wirklich gehandelt wurden im vergangenen Jahr wenige Hundert Aktien. Und die Einsparungen sind enorm: 500.000 Euro kostet das Abenteuer Börse im Jahr, hochgerechnet sind das 11 Millionen Euro, die man sich spare. Vorstand Christof Germann bestätigt im Gespräch mit den VN: „Der Aufwand war einfach zu groß. Das war nicht zu rechtfertigen. Wir haben diesen Schritt schon in den letzten Jahren oft ­diskutiert.“ Das bestätigt auch Aufsichtsratsvorsitzender Bertl Widmer, der von einer sehr konstruktiven Aufsichtsratssitzung spricht, bei der Einstimmigkeit geherrscht habe.

In den richtigen Händen

Begonnen hat das Börsenabenteuer im Jahr 1988. Ein Anliegen des damaligen Landeshauptmanns Martin Purtscher war es, quasi eine Volksaktie für die Vorarlberger zu lancieren. 20 Prozent des Unternehmens wurden damals privatisiert, heute sind noch etwas mehr als zwei Prozent in der Hand von Kleinaktionären. Der Handel am Wiener Parkett ist praktisch zum Erliegen gekommen, so Germann und der Aufsichtsratsvorsitzende Bertl Widmer im Gespräch. Kritik an der damaligen politischen Entscheidung wollen Widmer und Germann nicht üben. Und auch Landeshauptmann Markus Wallner schweigt lieber, bevor er seinen Vorvorgänger kritisiert. Er lässt ausrichten, dass der Rückzug im Aufsichtsrat und Vorstand entschieden wurde und das dort auch in den richtigen Händen sei. Eine Haltung, die von der Politik oft gefordert, aber genauso oft missachtet wird.

Transparenz gewährleistet

Ist durch den Rückzug die Transparenz des Landesunternehmens gewährleistet? „Auf jeden Fall“, so Widmer, „die Kontrollinstanzen bleiben bestehen und wir werden auch weiterhin Gesellschafterversammlungen durchführen.“ Man wolle die Aktionäre ja nicht vertreiben, sondern pflegen, assistiert Vorstand Germann, der sich seit dem Jahr 2005 Gedanken über die Neustrukturierung gemacht habe. Begrüßt wird der Rückzug sowohl vom Arbeiterkammer-Präsidenten Hubert Hämmerle als auch vom Grünen-Klubobmann Johannes Rauch. Hämmerle: „Die Arbeiterkammer fühlt sich durch diesen Schritt bestätigt, weil wir immer der Meinung waren, dass elementare Güter wie Wasser oder Stromversorgung in öffentlicher Hand bleiben sollten.“ Das sieht auch Rauch so, der den beiden VKW-Repräsentanten auch bei der Transparenz beipflichtet: „Es gibt genug Kontrollorgane, um das zu gewährleisten.“

Weg frei für neuen Aufsichtsrat

Der Ausstieg könnte aber, so munkeln Insider, noch einen anderen Grund gehabt haben: So können nämlich aktienrechtliche Bestimmungen umgangen werden. Damit wäre es möglich, ehemalige Vorstandsmitglieder des Unternehmens ohne Einhaltung der vorgeschriebenen Abkühlungsphase in leitende Positionen des VKW-Aufsichtsrats zu installieren. Der Weg für den scheidenden Vorstandsvorsitzenden Ludwig Summer zum Aufsichtsratschef wäre damit geebnet. „Ja“, sagt Widmer, „das wird damit unkomplizierter, aber das Motiv für den Rückzug war es nicht.“

Gegen eine solche Personalie sprach sich schon kurz nach der Ad-hoc-Meldung gestern Nachmittag AK-Präsident Hubert Hämmerle aus.

Und was ist mit den Kleinaktionären? Die bekommen ein freiwilliges Übernahmeangebot zum aktuellen Börsenkurs von 180 Euro je Stückaktie. Wer dies wünsche, könne weiterhin Kleinaktionär bleiben. Dies sei durchaus im Interesse des Unternehmens.

VKW AG

Wem gehören die VKW?

» Streubesitz (2,59 %)

» Vorarlberger Illwerke Aktiengesell- schaft (97,41 %)

Wem gehören die illwerke?

» SLand Vorarlberg (95,50 %)

» WEG Wertpapiererwerbsgesellschaft mbH (4,50 %), zu 100 Prozent im Besitz der Landesvermögen-Verwaltungsgesellschaft m.b.H. (100 %)

» Bilanzsumme: Rund 600 Mill. Euro

» Aktienkurs 22. 3. 2013: 180 Euro

Vorstand:

» Ludwig Summer,

» Vorstandsvorsitzender

» Christof Germann

» Vorstand

Aufsichtsrat:

» Bertl Widmer, Vorsitzender

» Erich Schwärzler, Stv. des Vorsitzenden

» Klaus Bitsche, Anita Blum, Erich Brunner, Otto Böhler, Manfred Dür, Arno Hagspiel, Günther Keckeis, Erwin Mohr, Manfred Oberhauser, Heinz Peter, Franz Rauch, Jodok Simma, Paul Sutterlüty