Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Jedem Gläubigen seinen Feiertag

Markt / 08.05.2013 • 21:20 Uhr

Weil heute Christi Himmelfahrt ist und wir sowohl einen neuen Bischof als auch einen neuen Papst haben, diesmal ein Thema, das vor Ostern schon einmal diskutiert wurde: Wer soll wann religiöse Feiertage begehen können? Sind nur katholische Feiertage „freie Tage“? Sollen auch die Feiertage aller anderen staatlich anerkannten Religionen arbeitsfrei gestellt werden? Oder soll man einige Feiertage auf Sonntage verlegen, wie die Industriellenvereinigung es gefordert hat?

Derzeit hat Österreich 13 gesetzlich verankerte Feiertage, etwas mehr haben die Bayern und die Liechtensteiner. Alle anderen aber haben weniger. Wären Sie Italiener, Sie säßen heute nicht gemütlich beim Frühstück, sondern müssten an Fronleichnam und Christi Himmelfahrt Ihre acht Stunden Dienst ableisten. Geht man von der Religionszugehörigkeit aus, dann sehen die Fakten so aus: Ein Vorrecht auf Feiertage haben die römisch-katholischen Österreicher. Sie stellen nämlich 80 Prozent der Österreicher. Der Rest ist Minderheit, egal ob nun muslimisch, orthodox, evangelisch, jüdisch oder gänzlich glaubensfrei. Deshalb könne man darüber zwar diskutieren, sagen sich liberal gebärdende katholische Würdenträger – mehr aber auch nicht.

Ohne ketzerisch zu sein: Von den 80 Prozent Katholiken, die in Vorarlberg die religiöse Mehrheit stellen, werden heute optimistisch geschätzt 20 Prozent Gottesdienste besuchen. Das wird sicher wieder besser, wenn Benno und Francesco ihre segensreiche Tätigkeit entfalten. Ein ­Feiertag ist aber auch für diese Mehrheit derzeit nichts ­anderes als ein „freier Tag“. Um Gerechtigkeit zu üben, kann man zwei Dinge tun: Alle Feiertage der staatlich anerkannten religiösen Minderheiten werden auch zu offiziellen Feiertagen, eine Verdoppelung der „religiösen Fehlzeiten“ wäre die Folge. Mit teuren Folgen für die Volkswirtschaft.

Oder aber: Jeder Arbeitnehmer bekommt ein „Glaubenskontingent“ für seine Feiertage: Sagen wir zehn Tage
statt wie bisher 13. Und die kann er je nach Religion konsumieren. Übt er seinen Glauben mit großem Engagement aus und es gibt weitere Feiertage, die ihm wichtig sind, dann wird er sicher den einen oder anderen Tag Urlaub dafür opfern. Das wäre doch gerecht: Oder wie man
neudeutsch sagt: Eine Win-win-Situation für alle – sogar für die Wirtschaft, die drei Tage mehr zum Produzieren hätte.

andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-682