Zwischen Sakramenten und Social Media: “Es ist eine Berufung”

Alexandra Nenning (29) unterrichtet ein Fach, das so manche schon abgeschrieben haben.
Lustenau, Feldkirch Was ist gerecht? Was möchte ich im Leben erreichen? Wie gehe ich mit Schuld und Versöhnung um? Welchen Sinn hat das Leben? Gibt es Gott? Und was kommt eigentlich nach dem Tod? Viele Fragen, die Kinder und Jugendliche beschäftigen, passen in kein Schulbuch. Im Unterricht von Alexandra Nenning ist dafür trotzdem Platz. Die 29-Jährige ist Religionslehrerin. Warum Religion, fragen viele? “Es ist eigentlich eine eher unspektakuläre Geschichte”, sagt sie und lacht.

Nach der Matura am Gymnasium Lustenau verschlug es sie nach Innsbruck. “Ich habe lange nicht gewusst, was ich tun soll. Meine Freundinnen haben beschlossen, dass sie nach Innsbruck gehen. Gut, habe ich mir gedacht, dann gehe ich auch mit”, erzählt Alexandra Nenning. Lehramt? Könnte passen. Geschichte und Religion? Die Fächer haben sie schon in der Schule am meisten interessiert. Religion war auch zu Hause ein Thema, das Pfarrleben immer selbstverständlich dabei. “Es war keine bewusste Entscheidung, es ist eher natürlich gekommen. Ich glaube schon, dass mein Weg von Gott geführt war”, blickt die Lustenauerin zurück. Heute weiß sie: “Für mich ist es nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Ich denke, dass ich am richtigen Ort bin, weil ich merke, dass ich den Kindern viel mitgeben und Themen mit ihnen besprechen kann, die sonst vielleicht nicht so eine Rolle spielen, aber doch wichtig sind.”

Alexandra Nenning unterrichtet das siebte Jahr Religion und Geschichte am Gymnasium Schillerstraße in Feldkirch sowie Religion an der Volksschule Kirchdorf in Lustenau. Drei Tage hier, zwei Tage dort. “Egal, wie alt die Schüler sind, es kommen immer wieder dieselben Fragen, aber halt auf eine ganz andere Art und Weise. Diese Abwechslung ist schon toll”, schwärmt sie.

Beruf und Berufung sind auch im Religionsunterricht ein Thema: Was möchte ich machen, wo zieht es mich hin, was ist mir wichtig? Gleichzeitig ist er ein Raum für die großen Fragen des Lebens. Dazu kommen typisch katholische Themen wie Sakramente, ethische Fragen, Social Media und Weltreligionen. Besonders wichtig ist der 29-Jährigen dabei Freiheit. “Die Kinder und Jugendlichen sind frei, was sie vor der Klasse sagen möchten, und sie sind frei, ihre Meinung kundzutun.” Die Gottesfrage wird offengehalten: Gibt es Gott? Und wenn ja, wie ist Gott? “Spiritualität nimmt nicht ab, auch wenn die Religionszugehörigkeit abnimmt”, stellt die Pädagogin fest.

Dass sie im Klassenzimmer am richtigen Ort ist, spürt sie immer wieder. “Es gibt oft Stunden, da bin ich selbst fasziniert, was die Kinder und Jugendlichen produzieren. Es berührt mich auch, was sie sagen. Das sind so besondere Momente, die ich als Geschenk wahrnehme.” In ihrer Freizeit engagiert sich die Lustenauerin ehrenamtlich in der Kirche – als Lektorin, im Pfarrgemeinderat, als Sternsingerverantwortliche, bei der Erstkommunion. Außerdem singt sie in der Pfarrband. “Das macht mir sehr viel Freude.”

Kraft schöpft Alexandra Nenning aus Gebeten, Gottesdiensten, Wallfahrten, der Natur, Musik, Reisen und Gesprächen mit lieben Menschen. Eine Woche im Jahr gehören, wenn möglich, auch Exerzitien bei den Jesuiten in Innsbruck dazu. “Danach bin ich so entspannt wie sonst nie”, erzählt sie. Als besondere Orte beschreibt sie das Ebnit und die Rosenkranzkapelle, die ihr Opa in den 1980er-Jahren im Lustenauer Ried gebaut hat. In den Semesterferien zieht es die 29-Jährige wieder in ihre Lieblingsstadt Rom. “Es wäre schon ein Traum, den Papst einmal Face to Face zu sehen”, merkt sie mit einem Lächeln an.

Zur Person
Alexandra Nenning
Geboren 27. Juli 1996
Wohnort Lustenau
Familie ledig
Hobbys Wandern, Klettern, Skifahren, sich mit Freunden treffen, Singen, Italienisch lernen, Lesen, Auto fahren, etc.
Ausbildung Matura am Gymnasium Lustenau, Lehramtsstudium Geschichte und Religion in Innsbruck
Beruf Religions- und Geschichtslehrerin am Gymnasium Schillerstraße in Feldkirch und an der Volksschule Kirchdorf in Lustenau