Sutterlüty gegen Spar: Ware falsch deklariert?

Als „Marketing-Gag“ bezeichnet Jürgen Sutterlüty die Regionalitätsangebote der Spar.
Egg. Der Konflikt schwelt schon lange, doch offen ausgebrochen ist der Streit zwischen den Handelsunternehmen Sutterlüty und Spar bislang nicht. Seit gestern ist das anders. „Wir haben uns ganz genau überlegt, was wir tun, und wir stehen dazu“, sagt Jürgen Sutterlüty im Gespräch mit den VN und erhebt dann massive Vorwürfe gegen den Mitbewerber, der in Vorarlberg mit 89 Märkten vertreten ist.
Worum geht es? Das Egger Handelsunternehmen Sutterlüty, das sich selbst als „Regionalweltmeister“ bezeichnet, vermutet hinter den Spar-Aktivitäten als „Regionalkaiser“ Kundentäuschung. Das Egger Unternehmen schwarz auf weiß: „In Printanzeigen warb Spar Vorarlberg am Dienstag dieser Woche damit, in allen Filialen ausschließlich Vorarlberger Rindfleisch zu verkaufen. Testeinkäufe am selben und darauffolgenden Tag in sieben Vorarlberger Spar-Märkten zeichnen jedoch ein ganz anderes Bild: In lediglich zwei der sieben Filialen wurden kleine Mengen an Vorarlberger Landbeef angeboten – von ausschließlich Vorarlberger Rindfleisch keine Spur. In den restlichen Spar-Filialen wurde selbst auf Nachfrage Rindfleisch aus Österreich von den Spar-Mitarbeitern fälschlicherweise als Vorarlberger Produkt ausgegeben. Eine beigepacktes Etikett mit Ursprungscode beweist jedoch, dass das von der Feinkostmitarbeiterin als Vorarlberger Landbeef und dem dazugehörigen Verkaufsflyer verkaufte Rindfleisch aus Niederösterreich und keineswegs aus dem Ländle stammt.“
Sutterlüty lässt die übliche Zurückhaltung unter Marktteilnehmern deutlich vermissen und spricht von „Irreführung“ ebenso wie von „grober Täuschung“. Er nehme die Gefahr, geklagt zu werden, in Kauf, ja, er sehe dem „komplett gelassen entgegen“, sei doch alles dokumentiert, betont Sutterlüty im Gespräch mit den VN. Er sehe sich zu dieser Vorgehensweise gezwungen, weil damit Lebensmittelmärkten, die das Thema Regionalität ernst nehmen, geschadet werde. Und das könne Sutterlüty nicht einfach so hinnehmen, ergänzt Marketing-Leiter Philipp Giselbrecht die Ausführungen seines Chefs.
Nicht die feine englische Art
Harte Anschuldigungen, die von der Spar-Organisation nicht unwidersprochen bleiben können: Spar-Vorarlberg-Direktor Gerhard Ritter, von den VN mit den Vorwürfen konfrontiert, verschlug es im ersten Moment die Sprache. Als er sie wiederfand, nahm er folgendermaßen Stellung: „Der Spar-eigene Fleischverarbeiter Tann hat für die am Dienstag in den VN beworbene Aktion für Vorarlberger Rindfleisch mehr als 50 Ländle-Stiere in Vorarlberg schlachten lassen, deren Fleisch an die Märkte ausgeliefert und mit dem Hinweis ,Solange der Vorrat reicht‘ beworben. Auch am kommenden Freitag und Dienstag können wir nochmals Vorarlberger Rindfleisch an die Vorarlberger Spar-Märkte liefern.“ Spar Vorarlberg verkaufe jährlich das Fleisch von ca. 4000 österreichischen Rindern. Davon stammen rund 1000 Tiere nachweislich aus Vorarlberg, betont Ritter. Besonders bei Edelteilen sei die Nachfrage – auch dank der vielen treuen Schweizer Kunden – wesentlich höher als das Angebot. Trotzdem bietet Spar auch hier nur Fleisch aus Österreich in geprüfter AMA-Qualität an.
Und direkt an Sutterlüty gerichtet: „Meine Kinderstube verbietet es mir, hier zu sagen, was ich von der Aussendung eines Mitbewerbers halte, die ich am Vorabend eines Feiertags kommentieren sollte. Die feine englische Art scheint es mir jedenfalls nicht zu sein und auch nicht die Art, mit der ich bisher gewohnt war, respektvoll mit ihm zu kommunizieren.“