Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Erfolg mit einem Quäntchen Glück

Markt / 12.06.2013 • 21:06 Uhr

Der Drang zur Spitze dürfte beim Menschen systemimmanent sein – egal ob im Sport oder in der Wirtschaft: Wettbewerb treibt uns an und bringt uns weiter – Vorarlberg zum Beispiel fast immer auf den ersten Platz. Wir sind Exportweltmeister, haben die beste Konjunktur, sind so innovativ, dass die meisten Patente Österreichs in Vorarlberg angemeldet werden. Nur bei den Arbeitslosen-Statistiken sind wir stolz darauf, wenn wir die Letzten sind.

Vorarlberg ist super – keine Frage – und fast immer die Nummer 1. Und auch wir in den VN enthalten Ihnen diese Leistungen nicht vor: Wir freuen uns über die ausgezeichneten Leistungen der Menschen und der Unternehmen in unserem Land. Darauf kann man stolz sein. Aber auch wenn wir Vorarlberger nicht laut hinaus­posaunen, dass wir die Besten sind – wir sind uns oft genug selbst gewiss, dass wir die Dinge besser anpacken und besser umsetzen – eigentlich als alle anderen. Nur Ostschweizern und Schwaben billigen wir ähnliche Kompetenz zu.

Zu all dem Erfolg, den wir Vorarlberger mit Genugtuung unseren Attributen Fleiß, Ehrlichkeit, Bodenständigkeit und Kompetenz zuschreiben, gibt es auch noch den
Faktor Glück. Sicherlich, das Glück des Tüchtigen –
aber wie viele Tüchtige gibt es auch anderswo, und
denen fehlt das Quäntchen Fortune, das wir abbekommen haben.

Dem Glück kann nachgeholfen werden durch Qualifizierung, durch Innovation, durch Investition. Doch es bleibt ein Vogerl, das ganz schnell wegfliegt, wenn die Märkte unserer Exporteure kränkeln. So gut können dann die Produkte gar nicht sein, die wir im Ländle herstellen. Sie werden dann einfach nicht gekauft. Und dann kann auch das Weltmeister-Ländle in den Schatten geraten. Die Krisen der letzten Jahre haben das einige Male gezeigt, die Arbeitslosenzahlen stiegen bedrohlich an.

Und deshalb: Ein bisschen Demut könnte nicht schaden. Dass wir so gut sind und im Vergleich mit anderen Standorten oft an der Spitze stehen, ist nicht alleine unser Verdienst und auch nicht der Überlegenheit der rationalen alemannischen Mentalität zuzuschreiben. Es liegt auch daran, dass Menschen in internationalen Unternehmen und Kunden in ganz Europa – ohne sich der Vorarlberger Herkunft bewusst zu sein – unseren Kuchen kaufen, sich für unsere Beschläge entscheiden, unsere Airbags benutzen. Die tragen ihren Teil zu unserem Erfolg bei. Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir wieder einmal die Besten sind.

andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862